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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Sarah Connor auf den eigenen Spuren

21.11.2019

Berlin /Delmenhorst Jetzt müsse sie zum Soundcheck in die Halle. Sarah Connor sitzt am Tisch in der Künstlerlounge, an einem Ende stehen reichlich Müsli und Obst, am anderen hat Connor bis eben gewartet. Jetzt verabschiedet sie sich knapp und verschwindet durch die Tür. Minuten später steht sie mitten in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin, noch sind Parkett und Tribünen leer, in zwei Stunden werden hier 14 000 Menschen sitzen und der Pop-Diva aus Delmenhorst zujubeln.

Connor spricht von einer „großen Aufgabe“, wenn sie ihre erste Tournee nach ihrem neuen Album „Herz Kraft Werke“ beschreibt. Blues, Gospel, Jazz mit Live-Orchester und Bigband – die Sängerin ist für ihre Neuproduktion durch die Welt gereist, war in London und den USA. Jetzt singt sie vor ausverkauften Rängen, eine Grippe zwingt sie zeitweilig zu einer Pause.

Nach dem Befreiungsschlag mit ihrer CD „Muttersprache“ (2015), für die Connor erstmals selbst die Songtexte schrieb, folgt jetzt die Unabhängigkeitserklärung. „,Muttersprache‘ war inhaltlich für mich persönlich die wichtigste Platte“, sagt sie, „es sind meine Gedanken und Geschichten.“ Für „Herz Kraft Werke“ habe sie sich noch mehr emanzipiert – mit tatkräftiger Unterstützung ihres Ehemannes und Managers Florian Fischer.

„Ich war in Nashville und habe meine Songs von echten Südstaaten-Musikern einspielen lassen, dann bin ich nach London geflogen, um dort mit Rosie Danvers und ihrem Ensemble Orchesteraufnahmen zu machen.“ Ihren Weg als Künstlerin zeichnet Connor jetzt auf ihrer Herbst- und Winterreise durch die Stadthallen mit 30 Songs nach.

Dokusoap-Protagonistin, Nationalhymnen-Verhauerin („Brüh im Lichte...“), Bushido-Schwägerin – was ist nicht schon alles über Sarah Connor gesagt und geschrieben worden. Ob mit dem zum Skandal gehypten Auftritt in knapper Robe zur „Wetten, dass..?“-Show, die als Doku-Soap „Sara & Marc in Love“ öffentlich ausgetragene Beziehung zu ihrem Ex- Ehemann Marc Terenzi oder die Erfahrungen beim Zusammenleben mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie – Connor sieht solche Episoden heute mit gelassener Distanz.

Die Künstlerin, die eine Zeit lang eine Villa in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg) besaß, hat den Blick auf sich selbst neujustiert. „Heute bin ich Mutter von vier Kindern, schreibe Songs. Das ist alles.“

Heißt das, dass sie aufgehört habe, Popstar zu sein? „Ja, zumindest in meiner Wahrnehmung“, sagt Connor und beschreibt ihr „verrücktes“ Leben: „Ich stehe zweieinhalb Stunden vor 15 000 Leuten, die alle Lieder auswendig singen, mit mir lachen und tanzen und weinen, und dann der Cut, ich gehe nach Hause, nehme meine Wimpern ab, wechsle Windeln und decke den Tisch für das Frühstück am nächsten Morgen. Das hat nichts mit Glamour zu tun. Aber ich liebe es.“

Als Popmusikerin wolle sie aktuelle Themen aufgreifen, „Fragen zu stellen, die uns beschäftigen“. So ist wohl auch ihr Song „Ruiniert“ entstanden. Dort singt Connor zu Piano-Solo und Gitarre über „Despoten und AfD-Idioten“, reimt von Hirnen „so glatt poliert, dass uns nichts mehr berührt“. Es habe danach „schon richtig Stimmung“ auf ihrer Facebook-Seite gegeben, sagt die Sängerin. In kürzester Zeit habe sie ihren eigenen AfD-Flyer gehabt: „Sarah Connor – seit Jahren vielen Jahren kein Hit – mehr, braucht Aufmerksamkeit.“ Connor: „Das hat mich sehr amüsiert.“

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