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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ernährung: Die Currywurst wird 70 Jahre alt

30.08.2019

Berlin Sie ist so deutsch wie Mülltrennen und die Bundesliga. Die Currywurst wird 70 Jahre alt. Genauer gesagt: Die Legende der Erfindung hat Geburtstag. Am 4. September 1949 soll die Ostpreußin Herta Heuwer in Berlin das erste Mal eine Soße aus Tomatenmark, Worcestershiresoße, Currypulver und anderen Gewürzen zusammengerührt und über eine gebratene und klein geschnittene Brühwurst gegossen haben.

Zehn Jahre später ließ sich Heuwer die Currywurst-Soße als Patent schützen. „Ich habe das Patent – und damit basta. Wer etwas anderes behauptet, der hat einen Stich“, soll die 1999 verstorbene Imbissbesitzerin dazu gesagt haben. Die Legende hat Konkurrenz. Uwe Timm beschreibt in seiner Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“, wie die Hamburgerin Lena Brückner auf der Treppe stürzt. In der einen Hand hat sie Curry, in der anderen Ketchup – fertig ist die Soße.

Neuerdings soll die Wurst sogar eine Erfindung aus Niedersachsen sein. So sieht es jedenfalls Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe aus Bückeburg bei Hannover. Geburtsort der Currywurst sei nachweislich seine Schlossküche, behauptete er. Ein Küchenmeister soll dort nach dem Krieg für Offiziere der britischen Rheinarmee aus Aprikosenmarmelade, Tomatenketchup, Curry und Salz eine Soße bereitet haben – und das schon 1946.

In der Wurst-Hauptstadt Berlin sind „Curry 36“ im alten Westen und „Konnopke’s“ im Osten die bekanntesten Adressen. Um die Mittagszeit stehen dort die Leute Schlange. Nach wie vor beliebt: einmal „Curry“ mit Pommes rot-weiß, gern mit Cola. Die Kakao-Flaschen, die neben dem Grill stehen, werden gern von Bauarbeitern bestellt, wie Lazo Vujinovic (35) von „Curry 36“ in Kreuzberg erzählt.

Ist die Wurst nur was für Touristen und Rentner? „Das ist Quatsch“, sagt Lazo Vujinovic. Wer die Wurst isst? „Alle.“ Ähnlich bunt beschreibt Dagmar Konnopke (53) ihre Gäste. Sie reicht vom Arbeiter bis zum Schlipsträger. Ihr Imbiss, ein Familienunternehmen in vierter Generation, liegt im Prenzlauer Berg. Auch in Zeiten von Bio: Das Geschäft mit dem Fleisch geht weiter. „Der Großteil isst den Klassiker“, sagt Dagmar Konnopke. Was die Rezepte angeht, da lächelt sie. „Das möchten immer alle wissen.“

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