BERLIN - Das Rätselraten um die Leiche der 1919 ermordeten und in den Berliner Landwehrkanal geworfenen KPD-Führerin Rosa Luxemburg könnte bald ein Ende haben. In Jerusalem lebt nach einem Medien-Bericht die in der Öffentlichkeit bisher nicht bekannte Großnichte der Sozialistin, Irene Borde. Die 79-Jährige habe dem Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos für eine DNA-Probe eine Haarprobe zukommen lassen, mit deren Hilfe nun geklärt werden könnte, ob 1919 auf dem Zentralfriedhof in Berlin womöglich die Leiche einer anderen Frau begraben wurde.

Ende Mai war bekanntgeworden, dass Tsokos im Medizinhistorischen Museum in Berlin eine vergessene Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße entdeckt hat. Aufgrund zahlreicher Indizien vermutet er, dass es sich dabei um die sterblichen Überreste der einstigen KPD-Führerin Luxemburg (1871-1919) handelt. Ein eindeutiger Nachweis fehlt jedoch bislang. Die in dem Grab beigesetzte Leiche zu exhumieren, ist nicht möglich, da die Nazis das Grab 1935 schändeten und plünderten. Eine Probe vom Erbgut der Wasserleiche soll nun mit der Haarprobe der Verwandten von Rosa Luxemburg verglichen werden.

Borde ist laut Berichten die Enkelin eines Bruders der von Freikorps-Soldaten ermordeten und in den Landwehrkanal geworfenen KPD-Mitbegründerin. Die in der Sowjetunion aufgewachsene Frau wanderte 1973 nach Israel aus, wo sie als Professorin für Verfahrenstechnik lehrte.

Sie habe sich mit ihrer Verwandtschaft zu Luxemburg „nicht wichtig tuen“ wollen, sagte sie. „In Russland hatten wir mit dem Namen Luxemburg nur Nachteile.“ Rosa Luxemburg sei dort als Gegnerin Lenins eine unerwünschte Person gewesen.