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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Hörverlust verändert Alltag aller Beteiligten

27.11.2017

Berlin Roger Reichardt geht zur Tür: Etwas leiser sprechen bitte. Der Geräuschpegel der Gespräche im Nebenzimmer reicht aus, um ihm beim Hören Probleme zu bereiten. Denn Reichardt ist von Geburt an schwerhörig. Er berät im HörBIZ Berlin, einem Sozialdienst für Hörgeschädigte. Dabei unterstützt ihn Sandra Markoff. Ihre Mutter ist seit Langem schwerhörig. Sie weiß, dass Schwerhörigkeit nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Angehörige massiv herausfordern kann.

Der Hörverlust verändere den Alltag aller Beteiligten, bestätigt auch die Audiologin Vanessa Vas von der britischen Universität Nottingham. Sie hat gerade eine Untersuchung im Fachjournal „Trends in Hearing“ zu dem Thema veröffentlicht. Angehörige versuchten häufig, das fehlende Hörvermögen ihres Gegenübers auszugleichen. Sie übernähmen in vielen Fällen das Telefonieren, hörten Radio und Fernsehen lauter als für sie nötig oder müssten häufig Sätze wiederholen.

Auch die Teilnahme an Familienfeiern und Festen werde zum Problem, weil Schwerhörige bei lauten Hintergrundgeräuschen Gesprächen schwer folgen könnten.

Einsamkeit, Frustration, Schuldgefühle, mangelndes Verständnis und schwindende Wertschätzung füreinander seien mögliche Folgen und belasteten sowohl Schwerhörige als auch deren Familie. Die Studie sei der Versuch, die Perspektiven von Schwerhörigen und deren Angehörigen zusammen zu bringen, erklärt Vas. Als Audiologin beschäftigt sie sich mit dem menschlichen Gehör. Angehörige merkten häufig früh, wenn sich ein Hörverlust ankündige und könnten Betroffene motivieren, Hilfe zu suchen. „Schwerhörigkeit ist ein bleibender Zustand, der die gesamte Familie beeinflusst“, erläutert sie. Das müsse in der Behandlung berücksichtigt werden.

Es sei bislang aber nicht selbstverständlich, dass Angehörige in die Behandlung mit einbezogen würden, sagt Markoff von der Berliner Beratungsstelle. Vonseiten der Krankenkassen gebe es wenig Unterstützung oder Angebote, beispielsweise Workshops für Angehörige. Auch die Kosten für Audiotherapeuten, die Betroffenen helfen, ihre Kommunikation an die Schwerhörigkeit anzupassen, würden nicht übernommen.

Schwerhörige und ihre Angehörigen müssten sich neu verstehen lernen, sagt Markoff. Menschen, die schlecht hören, sollten bei Nichtverstehen nachfragen oder störende Hintergrundgeräusche unterbinden. Ihre Gesprächspartner könnten zu einer entspannten Gesprächssituation beitragen, indem sie Gesagtes bereitwillig wiederholten, Blickkontakt hielten oder auf eine deutliche Aussprache achteten.

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