BERLIN/KöLN - Auch fünf Tage nach dem ICE-Unfall in Köln ist der Grund, warum der Zug bei der Ausfahrt aus dem Hauptbahnhof entgleiste, unklar. Oberstaatsanwalt Günther Feld sagte am Sonnabend, nach den bisherigen Ermittlungen habe ein Bahnmitarbeiter die Notbremse gezogen, weil unter dem Waggon Metallteile über die Gleise schleiften. Ob diese Notbremsung Ursache für den Unfall war, könne er noch nicht beurteilen.
Laut der Aussage von mehreren Mitreisenden wurde die Notbremse allerdings nicht von einem Bahnmitarbeiter, sondern von einem Fahrgast gezogen. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) zitierte am Sonntag auf seiner Internetseite einen Augenzeugen, dem nach eigenen Angaben schon kurz nach dem Anfahren in Köln klar gewesen sei, dass der Zug entgleist war. „Es war einfach offensichtlich, dass ein Rad schon über die Schwellen humpelte.“ Als ein vorbeikommender Zugbegleiter nichts unternommen habe, sei die Notbremse von einem Fahrgast betätigt worden. Die Bahn wollte den Bericht am Sonntag nicht kommentieren und verwies auf ihre Pressemitteilung vom Freitag. Darin hieß es, der ICE sei durch das Personal gestoppt worden. Die Staatsanwaltschaft will unterdessen ein eigenes Gutachten in Auftrag geben, bei dem die defekten Teile untersucht werden. Dies könne aber mehrere Wochen dauern, sagte Feld.
Bei dem Unfall in Köln war niemand verletzt worden. Nach Einschätzung des Berliner Professors Markus Hecht hätte der Zwischenfall aber in einer Katastrophe enden können. Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte hingegen vor Panik. Der Verbandsvorsitzende Karl-Peter Naumann sagte: „Die Bahn überprüft ihre Züge regelmäßig und mit großem Aufwand. Wir haben keine Bedenken, was die technische Seite angeht.“
