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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Attacke auf von Weizsäcker im Wahn?

21.11.2019

Berlin Am Tatort hängt noch ein Zettel: „Konferenzraum gesperrt“. Vor der Berliner Schlosspark-Klinik sind Kamerateams und Polizeiautos zu sehen, ein Sicherheitsmann passt auf, dass der Betrieb weitergehen kann. Am Dienstagabend wurde das Krankenhaus zum Ort eines Verbrechens: Ein Mann stach dem Chefarzt Fritz von Weizsäcker (59) während eines Vortrags mit einem Messer in den Hals. Der Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker starb noch vor Ort.

Der Angreifer hatte es, so berichten die Ermittler, wohl auf die Familie von Weizsäcker abgesehen. Der Mann ist ein 57 Jahre alter Deutscher aus Rheinland-Pfalz. Er soll „eine akute psychische Erkrankung“ haben und in eine Klinik kommen. Die Staatsanwalt spricht von einer „wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“.

Der Angreifer soll die Tat geplant haben. Im Internet stieß der Mann auf den Vortrag, kaufte sich in Rheinland-Pfalz ein Messer und fuhr mit der Bahn nach Berlin, so der Stand der Ermittlungen am Mittwoch. Gegen Ende des Vortrags sei er auf das Podium gegangen und habe den Redner attackiert.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bekundet ihr Beileid, sie sei bestürzt. Sie verurteile Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte „aufs Äußerste“. Dass Menschen, die anderen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders. „Mein Dank und Respekt gilt den Teilnehmenden der Veranstaltung, die Zivilcourage gezeigt haben.“

Wird es nun eine Sicherheitsdiskussion geben? Von Weizsäckers Kollegin, der Berliner Charité-Professorin Britta Siegmund, geht die Tat nahe. Es sei schon der zweite Kollege, den sie auf diese Weise verliere, sagt sie. Eine Sicherheitsdebatte zu führen, halte sie derzeit aber nicht für sinnvoll.

Im Sommer 2016 hatte ein 72 Jahre alter Patient an der Charité einen Mediziner erschossen und sich danach selbst getötet. Der 55 Jahre alte Kieferorthopäde hatte den Mann lange behandelt. Damals war das Motiv des Täters wohl Verzweiflung. Die Charité betonte, dass Sicherheitskontrollen an Krankenhäusern unrealistisch seien.

Der Fall weckt Erinnerungen an frühere Attacken: Während einer Wahlkampfveranstaltung im badischen Oppenau schießt ein geistig Verwirrter 1990 auf den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Er bleibt querschnittsgelähmt. 1990 greift eine geistig verwirrte Frau den damaligen saarländischen Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine (SPD) in Köln mit einem Messer an.

Was sich in Berlin abgespielt hat? Ein Rückblick: In der Schlosspark-Klinik gibt es einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Fettleber – (K)ein Grund zur Sorge?“. Mehr als ein Dutzend Menschen finden an diesem kalten Novembertag den Weg zu dem Krankenhaus am Rande des Parks von Schloss Charlottenburg. Beim „Forum 11/2019“ im Tagungsraum Haus H der Abteilung für Psychiatrie spricht Dozent Fritz von Weizsäcker.

Er geht um sein Fachgebiet, „die Fettleber, eine weitgehend unbekannte, aber zunehmende Volkskrankheit“. Gegen Ende kommt es zu der Attacke. Ein Polizist (33), der zufällig unter den Zuschauern sitzt, versucht, den Mann aufzuhalten und überwältigt ihn.

Der Beamte wird schwer verletzt. Er kommt später in ein anderes Krankenhaus, wird operiert und ist nicht in Lebensgefahr. Mehrere Menschen aus dem Publikum helfen, den Angreifer festzuhalten. Rettungssanitäter können den schwer verletzten Mediziner nicht mehr retten.

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