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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Mediziner mit geschichtsträchtigem Namen

21.11.2019

Berlin Nur wenige Familiennamen wecken in Deutschland so viele Assoziationen wie von Weizsäcker. Dunkelste NS-Vergangenheit, Bekenntnis zur deutschen Verantwortung, wegweisende Wissenschaft und Politik. All diese Elemente ranken sich um den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1920–2015) und seine Familie. Sein jüngster Sohn Fritz Eckhart Freiherr von Weizsäcker, ein Mediziner, wurde am Dienstagabend in Berlin während eines Vortrags bei einer Messerattacke getötet.

Fritz von Weizsäcker wurde 1960 in Essen nach drei Geschwistern in diese so bekannte Familie geboren. Sein Vater war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor für die CDU Regierender Bürgermeister von Berlin (West). Seine Mutter ist die frühere deutsche First Lady Marianne von Weizsäcker (87).

Seine Eltern hatten 1953 geheiratet. Richard von Weizsäcker arbeitete damals als Jurist bei Mannesmann. Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Zu diesem Zeitpunkt hatte Richard von Weizsäcker bereits ein sehr dunkles Kapitel der Familiengeschichte hinter sich: Bei den NS-Prozessen in Nürnberg verteidigte der Jurist seinen Vater Ernst von Weizsäcker, der dort wegen Mitwirkung an Deportationen französischer Juden nach Auschwitz als Kriegsverbrecher verurteilt wurde.

Als Bundespräsident bezeichnete Richard von Weizsäcker 1985 in einer international beachteten Rede das Kriegsende nicht als eine Niederlage Deutschlands, sonders als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“.

Fritz von Weizsäcker gehörte zu einer Generation, die sich auch kritisch mit der NS-Nähe mancher Familienmitglieder auseinandersetzte. Es müsse „alles glasklar geklärt“ werden, zitiert ihn der Chronist Hans-Joachim Noack in seinem Buch „Die Weizsäckers“. Ein familiärer Schicksalsschlag war prägend für sein berufliches Leben. Er hoffte, seinen Ende der 70er Jahre an Krebs erkrankten Bruder Andreas retten zu können. Fritz von Weizsäcker studierte Humanmedizin in Bonn und Heidelberg.

Nach dem Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie wurde er 2003 Professor für Innere Medizin an der Universität Freiburg. Zu seinen Stationen zählten neben Freiburg die Harvard Medical School in Boston und das Universitätsspital Zürich. Seit 2005 war von Weizsäcker Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg. Er galt als Experte für Leber- und Gallenwegserkrankungen.

Einer der Cousins ist der Umweltwissenschaftler und frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker. „Ich fand ihn ganz wunderbar“, sagte er in Berlin. „Ich habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt.“ Schwester Beatrice von Weizsäcker war die einzige aus dem engsten Familienkreis, die sich zu dem tragischen Tod öffentlich äußerte. „Wir können es weder fassen noch glauben“, twitterte die Publizistin.

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