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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Nachgefragt: Gibt es Sonnenbrand auch im Schatten?

07.07.2020

Berlin Mit der Hitze tauchen sie wieder auf – die Sommermythen: Verfärbt sich das Wasser bei Pool-Pinklern? Wirkt Alkohol bei Hitze wirklich stärker? Darf man nach dem Naschen von Kirschen Wasser trinken? Zeit für einen Faktencheck.  Behauptung: Becken-Pinkler können überführt werden, weil Urin das Wasser verfärbt.  Bewertung: Technisch mittlerweile möglich.  Fakten: Selbst Hollywood hat sich des Themas schon angenommen: Im Film „Grown Ups“ (Kindsköpfe, 2010) wird ein Pool-Pinkler im Freibad durch sich verfärbendes Wasser entlarvt. Ist das wirklich so einfach möglich? Nein, sagen Experten des US-„Water Quality & Health Council“. Das Entlarven von pieselnden Schwimmern mittels farbiger Wolke sei der „häufigste Pool-Mythos aller Zeiten“.

Doch Wissenschaftler der Texas A&M University haben ein System entwickelt, das Pool-Pinkler überführen kann. Zink-Ionen reagieren dabei mit einem Nebenprodukt des Urins. Das Problem: Sichtbar wird das Ergebnis nur dann, wenn Schwarzlichter im Schwimmbad installiert sind.

 Behauptung: Alkohol wirkt bei Hitze stärker.  Bewertung: Stimmt.  Fakten: Hitze und Alkohol sind keine guten Partner, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erläutert. „Wenn die Sonne brennt, wirkt Alkohol im Körper schneller und intensiver“, erklären die Experten. Der Blutdruck sinkt und man fühlt sich müde und schlapp. Das kann zu Kreislaufproblemen führen. Wer Alkohol trinkt und badet, begibt sich zusätzlich in Gefahr. Weil Alkohol die Gefäße weitet, könne man selbst bei einer Wassertemperatur von 20 bis 22 Grad einen Kälteschock erleiden, warnt die BZgA.

 Behauptung: Nasse Badesachen führen zu einer Blasenentzündung.  Bewertung: Stimmt.  Fakten: Es ist schon verlockend, sich einfach in der Sonne zu trocknen. Dennoch sollte man nach dem Schwimmen die Badesachen schnell ausziehen. Dadurch wird das Risiko einer Blasenentzündung minimiert, wie die Landesapothekerkammer in Niedersachsen erklärt. Kälte und Nässe verringern demnach die Durchblutung und begünstigen so die Ausbreitung von Bakterien, die in die Blase gelangen können. Frauen sind wegen ihres kürzeren Harnwegs stärker davon betroffen.

 Behauptung: Im Schatten wird man auch braun.  Bewertung: Stimmt.  Fakten: Farbe gibt es für den Körper auch im Schatten – allerdings langsamer und schonender. Nach Worten des Dermatologen Mrotzek bekommt man dort „noch 50 Prozent der UV-Dosis ab“. Der Experte: „Ob Sie dabei unter einem Zeltdach oder einem Baum sitzen, ist egal“. Doch Vorsicht: „Sonnenbrand gibt es auch im Schatten oder unter bewölktem Himmel“, warnt Mrotzek.

 Behauptung: Teure Sonnencreme schützt besser.  Bewertung: Falsch.  Fakten: Fast jede Sonnencreme im Handel schützt zuverlässig vor UV-Strahlung. Das hat die Stiftung Warentest herausgefunden. Auch die günstigeren Varianten halten UV-Strahlen ab. Wichtig seien ein hoher Lichtschutzfaktor und gute Hautverträglichkeit, sagt der Dermatologe Reinhard Mrotzek. Voraussetzung für den Schutz ist, dass man genug Creme verwendet. Ein 1,80 Meter großer Erwachsener braucht nach Angaben des Haut-Experten rund 30 Milliliter Sonnencreme – also zwei Esslöffel, um seinen ganzen Körper richtig einzucremen.

 Behauptung: Nach Eis und Kirschen nichts trinken.  Bewertung: Falsch.  Fakten: „Es spricht nichts dagegen, danach etwas zu trinken“, sagt Bernhard Watzl, Ernährungswissenschaftler vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. Der Mythos „hängt möglicherweise mit der Hygiene in früheren Zeiten zusammen“, erklärt der Experte. Grund für den Irrglauben könnte das in früheren Zeiten hygienisch nicht einwandfreie Trinkwasser sein. Keime sorgten für Bauchschmerzen. Wird bei Herstellung und Verkauf von Speiseeis die Kühlkette nicht eingehalten, können Bakterien Probleme bereiten.

 Behauptung: Mücken lieben „süßes“ Blut.  Bewertung: Falsch.  Fakten: Für den Insektenexperten Julian Heiermann ist das ein „Mythos“. Der Zoologe vom Naturschutzbund erklärt: „Manche Menschen werden aber öfter gestochen als andere“. Das habe vor allem mit Duft zu tun: „Im Schweiß ist ein Stoff enthalten, der Mücken lockt. Manche produzieren davon mehr.“ Ein Forscherteam der London School of Hygiene and Tropical Medicine will aber herausgefunden haben, dass etwa Schwangere und korpulente Menschen mit höherer Körpertemperatur häufiger geplagt sind.

NWZonline.de/gesundheit
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