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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Findelkinder: Mutter setzt jedes Jahr ein Baby aus

06.08.2018

Berlin /Potsdam Mutterseelenallein liegen die neugeborenen Mädchen an einer Bushaltestelle, vor einem Einfamilienhaus, in einer Hauseinfahrt. In drei aufeinanderfolgenden Jahren. Sie wurden jeweils ohne Arzt entbunden und drohen auszukühlen, doch jedes Mal kommt rechtzeitig Hilfe. Dieselbe Frau brachte die drei Babys zur Welt, wie die Ermittler seit diesem Frühjahr wissen. Ausgesetzt wurden die Schwestern stets im August und September und stets unweit der nordöstlichen Berliner Stadtgrenze. Nach wie vor ist unbekannt, wer die Eltern sind. Die bange Frage: Setzt sich die mysteriöse Serie nach 2015, 2016 und 2017 in den nächsten Wochen fort?

Die Polizei in Berlin und Brandenburg, wo jeweils Beamte der Landeskriminalämter mit dem Fall betraut sind, geben sich äußerst bedeckt. Alles, was sie zum Stand der Ermittlungen sagen, könnte womöglich das Handeln der Gesuchten beeinflussen – falls sie nach der vergangenen Geburt im August 2017 erneut schwanger sein sollte. Für den Fall der Fälle appellierte Kriminalhauptkommissar Stefan Möhwald kürzlich in der „Berliner Morgenpost“ an die Unbekannte: „Bitte geben Sie das Kind in einer Babyklappe ab.“

Der Aufruf hat dem Artikel zufolge einen Hintergrund: Die Mädchen seien von Jahr zu Jahr weniger überlegt, weniger sorgsam ablegt worden. Dass Menschen die Neugeborenen rechtzeitig finden und Hilfe rufen konnten, dass diese nicht auskühlten und starben, stand offenbar von Mal zu Mal mehr auf der Kippe. In Brandenburg, wo es den bislang letzten Säuglingsfund der Serie gab, ermittelt deshalb eine Mordkommission.

Trotz der teils kritischen Umstände sind die drei bisherigen Findelkinder wohlauf. Sie heißen Emma, Lilo und Hanna, sehen laut Polizei mitteleuropäisch aus und leben bei Pflegeeltern. Es handele sich um normal entwickelte Kinder, die anscheinend regulär bis zum natürlichen Geburtszeitpunkt ausgetragen wurden.

Lange fällt nicht auf, dass es sich um eine Serie handelt. Letztlich bringen DNA-Analysen ein 99,9-prozentiges Ergebnis: Die drei Mädchen sind Schwestern, möglicherweise haben sie nicht nur dieselbe Mutter, sondern auch denselben Vater.

Dass die Mutter einen Bezug zum Umfeld der Ablageorte habe, sei „sehr wahrscheinlich“, teilt ein Sprecher der Polizei mit. Es bleiben noch mehr Fragen: Wie kann es sein, dass niemand die Frau zu kennen scheint, die stets im Hochsommer hochschwanger war? Warum wurde sie stets zur gleichen Zeit, zum Jahresende schwanger? Und welche Umstände sind es, die die Frau zum Aussetzen ihrer Babys veranlassen?

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