BERLIN/ROM - Im Skandal um den Missbrauch von Kindern durch Priester an deutschen Jesuitenschulen hat sich Papst Benedikt XVI. zu Wort gemeldet. Bei einer Audienz für Mitglieder des Päpstlichen Familienrats verurteilte das katholische Kirchenoberhaupt am Montag im Vatikan die Taten. Vertreter der Kirche hätten gegen die Rechte von Kindern verstoßen. „Die Kirche wird auch künftig nicht versäumen, ein solches Verhalten zu verurteilen“, fügte er hinzu.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Missbrauch von Schülern am Berliner Canisius-Gymnasium in den 70er und 80er Jahren keine strafrechtlichen Konsequenzen haben wird. „Die Taten sind verjährt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Rund 20 Fälle seien geprüft worden.

Steltner verwies auf die komplizierte Rechtslage. Die Verjährungsfrist für diese Form sexuellen Missbrauchs betrage zehn Jahre ab dem 18. Geburtstag des Opfers und sei abgelaufen. Auch etwaige Vorwürfe an den Jesuitenorden – wie Strafvereitelung oder unterlassene Hilfeleistung – seien verjährt.

Zwei frühere Patres des Berliner Kollegs sollen sich über Jahre an Schülern vergangen haben. Ein dritter Pater, der Anfang der 70er Jahre auch in Berlin unterrichtete, gestand sexuelle Übergriffe auf Jugendliche in Hannover. Inzwischen wurden auch Missbrauchsfälle in anderen kirchlichen Einrichtungen – so in Hamburg, Hildesheim, Göttingen, Bonn-Bad Godesberg und St. Blasien – bekannt. Am Montag trat der Rektor des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg, Pater Theo Schneider, mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Er gehe den Schritt im Interesse einer lückenlosen Aufklärung.

Einer der beschuldigten Ex-Lehrer des Berliner Canisius-Kollegs, Wolfgang S., hat den Missbrauch von Kindern abgestritten. Einem Zeitungsbericht zufolge, räume er nur ein, Kinder geschlagen zu haben. Zu sexuellen Übergriffen sei es nicht gekommen.

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, rief zu Offenheit beim Umgang mit Missbrauchsvorwürfen auf. „Es darf keine Mentalität des Wegsehens geben“, sagte Glück. „Je offener und konsequenter die Kirche damit umgeht, umso eher kann sie vertrauensstiftend wirken.“

Zum Beginn nach den Winterferien schirmte das Canisius-Gymnasium seine Schüler am Montag ab. Sicherheitskräfte versperrten Schaulustigen den Zutritt.

Region, S.10