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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Großer Entertainer und tragischer Trinker

08.06.2019

Berlin Harald Juhnke im Fernsehen, das brachte heute kaum vorstellbare Einschaltquoten, damals, als die Showtreppe noch wichtig war. In den 70er Jahren sahen 20 Millionen Zuschauer „Ein verrücktes Paar“ mit Juhnke und Grit Boettcher. Bei der Show „Musik ist Trumpf“ waren es sogar noch mehr. Beides steckt tief in der Retrokiste des deutschen Fernsehens. Jungen Leuten sagt der Name Harald Juhnke nicht mehr so viel. Dabei war er einmal einer der ganz Großen.

Seine Karriere dauerte 50 Jahre. Er war Schauspieler, Entertainer und tragischer Trinker, eine Berliner Schnauze mit Smoking, gern mit dem Lied „Barfuß oder Lackschuh“ auf den Lippen. Er sah sich selbst als deutsche Antwort auf Frank Sinatra, er war so Berlin wie Currywurst und Gedächtniskirche. Er starb 2005 an Demenz erkrankt mit 75 Jahren in einem Pflegeheim.

Am Pfingstmontag (10. Juni) wäre Juhnke 90 Jahre alt geworden. Zum Geburtstag sprechen viele Weggefährten sehr warm über Juhnke. So wie in einer ZDF-Doku: Für seine Bühnenpartnerin Barbara Schöne war er ein „Paradiesvogel“, der auf dem Seil balanciert ist. Brigitte Grothum, seine Kollegin in der Serie „Drei Damen vom Grill“, fand, er sei ein „genialer Schauspieler“ gewesen. „Wenn Harald auf dem Plakat stand, war das Haus voll“, sagt Ex-Theaterchef Jürgen Wölffer. Die Erinnerungen seines Sohns Peer klingen zwiespältig. Für diesen war er auch der Vater, der wenig zu Hause war.

Was Juhnkes Karriere ausmachte: Es gab nicht nur die Shows und Serien, sondern auch Theater und Filme. Erst am Boulevard, später auch mit Feuilleton-Faktor, das war dem Polizistensohn aus dem Berliner Wedding wichtig. Eine seiner Paraderollen war 1996 „Der Hauptmann von Köpenick“, den Katharina Thalbach mit ihm am Berliner Maxim-Gorki-Theater inszenierte. Viel gelobt wurde er für die Hans-Fallada-Verfilmung „Der Trinker“ (1995), eine Rolle, vor der er auch gewarnt wurde. Die hatte natürlich eine Menge mit ihm selbst zu tun. Seine Trinkerei machte über viele Jahre nicht nur in der Boulevardpresse Schlagzeilen. Immer wieder hatte er Ärger, weil er Proben oder Auftritte platzen ließ. Nur bei sehr wenigen deutschen Stars gab es so viele Erfolge neben so vielen Skandalen, oft genüsslich von den Medien ausgeschlachtet. Juhnke machte mit.

In seiner Biografie sah er sich als „müden Mann, der mit sich privat wenig anzufangen weiß – auf deprimierende Weise wenig anzufangen weiß“. Das Klischee vom sensiblen Künstler, der sich nach der Show leer fühlt und trinkt: Bei Juhnke war es Wirklichkeit. Er versuchte, mit Sprüchen seine Sucht zu verarbeiten, machte Werbung für Milchgetränke. Heute fände man das wahrscheinlich nicht mehr witzig.

Im Jahr 2001 lud sein langjähriger Manager Peter Wolf zu einer denkwürdigen Pressekonferenz, nachdem sein Schützling schon eine lange Zwangspause hatte. „Harald Juhnke ist unheilbar krank. Sein Geist ist verwirrt. Eine Heilung ist ausgeschlossen“, sagte Wolf mit tränenerstickter Stimme. Juhnke werde nie wieder auf einer Bühne oder vor einer Kamera stehen.

Für die Trauerfeier im April 2005 war die Gedächtniskirche zu klein, mehr als 1000 Menschen standen noch rund ums Gebäude, das Fernsehen übertrug live.

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