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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Coronavirus: Große Sorge vor Anstieg von häuslicher Gewalt

30.03.2020

Berlin /Straßburg Schulen, Kitas und Spielplätze sind zu, Eltern und Kinder bleiben zu Hause, die Nerven liegen blank: In der Corona-Krise wächst die Sorge vor häuslicher Gewalt und Missbrauch. Die Opferschutz-Organisation Weißer Ring warnt, man müssen „mit dem Schlimmsten rechnen“. Aus anderen Ländern gibt es schon Belege dafür, dass vor allem für Frauen und Kinder das Risiko in den eigenen vier Wänden steigt, wenn soziale Kontrolle wegfällt und Familien – oft auf engem Raum – auf sich gestellt sind.

Beispiele dafür kann die Generalsekretärin des Europarats nennen, Marija Pejcinovic Buric. Berichte aus Frankreich zeigten etwa, dass viele Frauen wegen der Beschränkungen keine Notrufstellen anrufen könnten, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Bei den Hilfe-Telefonnummern gingen gut viermal weniger Anrufe ein als normalerweise. Dafür hätten Sofortnachrichten im Internet an Hilfsorganisationen in ganz Europa zugenommen. Das könne bedeuten, dass Täter ihre Opfer davon abhalten, telefonisch Hilfe zu suchen.

In Dänemark habe man beobachtet, dass die Zahl der Frauen gestiegen sei, die Zuflucht in einem Frauenhaus suchten, berichtete Pejcinovic Buric weiter. Neben dem Gewaltrisiko könne die Krise Frauen auch wirtschaftlich treffen und ihre finanzielle Unabhängigkeit bedrohen. Der Europarat wacht über die Menschenrechte in 47 Mitgliedsstaaten – neben den EU-Ländern etwa auch die Schweiz, Russland, Türkei, Ukraine oder Aserbaidschan.

Auch in Deutschland sind Experten alarmiert. „Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen“, sagte Jörg Ziercke, Bundesvorsitzender der Opferschutzorganisation Weißer Ring. „Die Corona-Krise zwingt die Menschen, in der Familie zu bleiben, hinzu kommen Stressfaktoren wie finanzielle Sorgen und Zukunftsunsicherheit.“ Die Opferhelfer kennten das Problem von Festtagen wie Weihnachten, sagte Ziercke. „Wenn die Menschen tagelang zu Hause sind, gehen die Fallzahlen in die Höhe. Die Kontaktsperre wegen Corona dauert aber sehr viel länger als Weihnachten, die Stressfaktoren sind auch größer.“

Die Politik hat das Problem auf dem Schirm. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte dem RBB-Inforadio: „Jeder, der sich im Kinderschutz engagiert und für das Kindeswohl kämpft, der ist im Moment in größter Sorge.“ Die Lage von Kindern, die sexueller Gewalt durch Väter, Brüder oder Mütter ausgesetzt seien, verschärfe sich „enorm“. Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) hat mit den Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -ministern der Länder Maßnahmen vereinbart – etwa, das Hilfetelefone gegen Gewalt an Frauen (08000/116 016) und für Schwangere (0800/40 40 020) am Laufen zu halten.

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