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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Schwerster Orkan seit zehn Jahren

20.01.2018

Berlin Der verheerende Orkan „Friederike“ hat in Deutschland Schäden von einer halbe Milliarde Euro angerichtet. Das geht aus ersten Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Der GDV hat dabei die versicherten Schäden zusammengerechnet. Am Freitag entspannte sich die Wetterlage – es bleibt jedoch ungemütlich.

Bahnstrecken gesperrt

„Friederike“ gilt als der schwerste Sturm in Deutschland seit „Kyrill“, der auf den Tag genau elf Jahre zuvor über das Land hinweggefegt ist. Allerdings war „Kyrill“ deutlich verheerender. Der Sturm schlug mit mehr als zwei Milliarden Euro Schaden zu Buche.

Wie „Kyrill“ hinterließ „Friederike“ nicht nur eine Schneise der Verwüstung. In Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg starben mindestens acht Menschen, darunter zwei Feuerwehrleute. 2007 hatte „Kyrill“ elf Menschen allein in Deutschland getötet.

Auch in anderen Ländern Europas wütete „Friederike“. In Belgien und den Niederlanden gab es Tote.

Spektakuläre Landung bei Sturm

Eine Passagierflugzeug ist in Düsseldorf nach heftigem Hin und Her gelandet und hat damit kräftigen Böen des Sturmtiefs „Friederike“ Paroli geboten. Das aus Sylt kommende Flugzeug der Gesellschaft Eurowings wurde noch kurz vor dem Aufsetzen hin und hergerissen. Der Pilot setzte dennoch auf und die Propellermaschine rollte sicher aus.

Ein Video von dem spektakulären Vorfall am Donnerstag wurde in kurzer Zeit zum Internethit und bis Freitagabend knapp eine halbe Million Mal angeklickt.

Video der Landung unter

Video der Landung unterhttp://bit.ly/flugimsturm

Die Deutsche Bahn hatte am Donnerstag erstmals seit 2007 den Fernverkehr deutschlandweit eingestellt. Da zahlreiche Bahnstrecken zunächst noch gesperrt waren, mussten Reisende auch am Freitag mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen etwa war nach zahlreichen Schäden durch den Orkan weiterhin erheblich eingeschränkt. Im Regionalverkehr fuhren am Mittag auf rund der Hälfte der Linien wieder Züge. In Niedersachsen war die blockierte Nord-Süd-ICE-Strecke zwischen Hannover und Göttingen wieder befahrbar.

Dank an Rettungskräfte

Laut Deutscher Bahn hat „Friederike“ Millionenschäden am Schienennetz angerichtet. An mehr als 200 Streckenabschnitten seien Reparaturen nötig. Der Bahn-Vorstand für Personenverkehr, Berthold Huber, verteidigte die bundesweite Einstellung: „Die Entscheidung, die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter über alles zu stellen, war richtig.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bedankte sich via Twitter bei den Rettungskräften und sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus. „Ich danke vor allem den mehr als 1000 ehrenamtlichen THWlern sowie allen anderen Einsatzkräften, die sich in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben.“ Der Sturm habe gezeigt, wie wichtig das Technische Hilfswerk (THW) für das Zusammenleben sei.

Der Orkan wütete auch im Wald, vor allem im Harz richtete er Verwüstungen an. „Wer jetzt in die Wälder geht, begibt sich in Lebensgefahr. Ich kann nur dringend davor warnen“, sagte der Dezernent der Niedersächsischen Landesforste, Dietmar Sohns.

Auch in Sachsen wurden sämtliche Wälder gesperrt. Wer sie dennoch betritt, muss mit einer Geldbuße in Höhe von bis 2500 Euro, in besonders schweren Fällen sogar bis 10 000 Euro rechnen.

Heftige Kritik gibt es am inkonsequenten Umgang von Schulen mit dem Unterrichtsausfall. Einige Schulen in Nordrhein-Westfalen hatten zunächst trotz der Sturmwarnung Unterricht erteilt und die Schüler dann nach der zweiten oder dritten Stunde nach Hause geschickt. Dadurch waren manche Kinder auf dem Heimweg mitten in den Sturm geraten. Wettermoderator Jörg Kachelmann kritisierte ein solches Verhalten besonders scharf: Dies sei „aktive Sterbehilfe“.

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