BERLIN - Opfer des Missbrauchs an Jesuiten-Gymnasien wollen juristisch gegen die Schulen und den Orden vorgehen. Ein Berliner Anwalt will im Auftrag von ehemaligen Schülern eine Sammelklage gegen den Jesuiten-Orden in den USA prüfen. Weitere Opfer verlangen Schadenersatz und Akteneinsicht.
Missbrauchsfälle aus den 70er und 80er Jahren am Berliner Canisius-Kolleg wurden vor einer Woche publik. Inzwischen kamen auch Taten in Hamburg, Hildesheim, Göttingen, Hannover und St. Blasien (Schwarzwald) ans Licht.
Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass sich bereits in der Vergangenheit bei der Schulleitung des Bonner Aloisiuskollegs ehemalige Schüler gemeldet hatten, die nach eigenen Angaben missbraucht worden waren. Sie hätten aber um äußerste Verschwiegenheit gebeten, teilte Rektor Theo Schneider mit. Die Fälle seien an die Ordensleitung weitergegeben und untersucht worden.
Der Berliner Rechtsanwalt Lukas Kawka sagte am Donnerstag: „Sollte sich bestätigen, dass ehemalige Schüler die amerikanische Staatsbürgerschaft haben, wäre eine Sammelklage in den USA möglich. Die finanziellen Konsequenzen wären dann für den Jesuiten-Orden desaströs.“ Kawka betonte, dass es zunächst um eine außergerichtliche Einigung gehe. Um Wiederholungen vorzubeugen, müsse es „spürbare schadenersatzrechtliche Sanktionen“ geben.
Schadenersatz wollen auch drei Opfer durchsetzen, die von der Anwältin Manuela Groll vertreten werden. Sie sagte bereits am Mittwoch, ihre Mandanten verlangten zudem Einsicht in die Akten der Schule und des Ordens.
Laut der Berliner Senats-Bildungsverwaltung wurden in den vergangenen zehn Jahren auch an öffentlichen Schulen zehn Missbrauchsfälle bekannt, die sich als begründet herausgestellt hätten. Nach Angaben von Sprecher Martin Sand wurden seit 2000 fünf Lehrer entlassen. Ein weiterer Beschuldigter starb. Einige Fälle seien noch nicht abschließend geklärt.
