Berlin/Wildeshausen - Popsängerin Sarah Connor (38) hat verständnislos auf die Ablehnung ihres Coming-out-Songs „Vincent“ bei einigen Rundfunksendern reagiert. Im RTL-Interview sagte die Musikerin: „Wir tun ja immer so, als wäre es überall, als wäre es völlig in Ordnung, und dann bringt es ein Song auf den Punkt, und dann gibt’s plötzlich Ressentiments.“ Das Lied „Vincent“ handelt von Verwirrung und Schmerz in der Liebe – unter anderem bei einem Jungen, der erkennt, dass er schwul ist.
Konkret stören sich manche Radiosender an dem Satz „Vincent kriegt kein’ hoch, wenn er an Mädchen denkt“. Connor, die zeitweise in Wildeshausen gelebt hat, sieht in ihrem Song einen Gesprächsanstoß: „Ich finde, man sollte es als Chance ergreifen, darüber zu sprechen.“ Zum Hintergrund erklärte sie, dass es in ihrem Bekanntenkreis einen Jungen gebe, einen Freund ihrer Kinder, der sich im vergangenen Jahr geoutet habe.
Sie habe den Song ihrer Plattenfirma und ihren Kindern vorgespielt. „Ehrlich gesagt gab es niemanden, der nicht am Ende des Songs verstanden hat, dass es um Liebe geht.“ Der Song „Vincent“ wurde teilweise nur gekürzt im Radio gespielt, als Grund wird die erste Textzeile des Songs angeführt. So strahlte etwa der Radiosender Antenne Bayern „Vincent“ ohne den ersten Satz aus – unter anderem aus Gründen des Jugendschutzes. Diese Zeile werde wie auch eine Wiederholung später in dem Stück herausgeschnitten, sagte Antenne-Bayern-Programmdirektorin Ina Tenz der dpa. Über das Thema hatte zuerst die „Bild“ berichtet. Manche verbannten den Song sogar ganz aus dem Programm.
„Wir finden den Song ganz großartig und unterstützen auch das Thema Toleranz“, so Tenz. Aber es müsse nicht sein, dass Kleinkinder das im Radio hören, sagte Tenz, die im Sender auch Jugendschutzbeauftragte ist. „Ich möchte Sarah Connor erleben, wie sie künftig ihrem kleinen Sohn erklärt, was damit gemeint ist.“ Antenne Bayern hat mit dem Connor-Management über die Kürzung gesprochen. Aus Sicht von Tenz steckt hinter dem Text und der Veröffentlichung auch eine Strategie, eine Debatte auszulösen: „Wenn der erste Song des neuen Albums ausgerechnet mit einem solchen Satz beginnt, dann ist da PR einkalkuliert.“ Insgesamt warb Tenz für einen sorgsameren Umgang mit Sprache im Radio.
Zustimmung für Connor kommt vom Bayerischen Rundfunk. „Wir finden den Song musikalisch toll und textlich sehr mutig, und deswegen läuft er regelmäßig in Bayern 3“, erklärte Bayern-3-Programmchef Thomas Linke-Weiser. „Wir haben bisher so gut wie keine Beschwerden unseres Publikums deswegen bekommen.“ Eher fänden es die Leute gut, dass sich eine Mainstream-Künstlerin wie Connor eines solchen Themas annehme.
