BIELEFELD - Es ist ein unvorstellbares Verbrechen: Ein Autofahrer hat am Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld zugegeben, eine 13 Jahre alte Radlerin angefahren und vergewaltigt zu haben. Zum Prozessauftakt entschuldige sich der Vater von fünf Kindern bei seinem Opfer. Von einem Zettel las er seine Erklärung ab. Über seinen Verteidiger ließ er aber den Vorwurf zurückweisen, er habe den Unfall mit dem Kind absichtlich verursacht.
„Er steht selber fassungslos vor der Tat“, sagte Anwalt Andreas Chlosta. Direkt nach der Tat am Ostermontag hatte der angeklagte Hilfsarbeiter indes bei der Polizei zu Protokoll gegeben, er habe die Kollision in voller Absicht herbeigeführt. Er habe seit längerer Zeit ein Mädchen vergewaltigen wollen.
Bei dem Zusammenstoß auf einem Feldweg nahe dem ostwestfälischen Dorf Hille hatte die 13-Jährige unter anderem einen Kieferbruch und eine Gehirnerschütterung erlitten. Laut Anklage hatte der 31-Jährige damals dem schwer verletzten Kind gesagt, er werde es heimfahren. Doch an einem abgelegenen Ort soll er über die Schülerin hergefallen sein. Später setzte er sie aus.
„Das ist ein widerwärtiger Fall“, sagte der Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft, Reinhard Baumgart, am Rande des Verfahrens. Ein solches Verbrechen sei ihm noch nie vorgekommen.
Ihrer Tochter gehe es nach wie vor „sehr schlecht“, sagte die 42-jährige Mutter des Opfers vor Gericht. „Sie fährt nicht mehr allein Fahrrad, sie geht nirgendwo mehr allein hin. Und ist sehr verschlossen“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme. „Unserer Familie geht es sehr schlecht damit. Unser Leben ist zerstört – ganz einfach.“
Das Opfer selbst, das als Nebenklägerin auftritt, sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Der Angeklagte musste auf Gerichtsbeschluss außer Sichtweite der Schülerin auf eine Zuschauerbank ausweichen, um die heute 14-Jährige nicht mit seinem Anblick zu belasten.
Dem Familienvater aus Lübbecke drohen bis zu 15 Jahre Haft. Das Urteil wird am 24. August erwartet.
