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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ein Fest zwischen Kult und Kommerz

22.10.2019

Bonn Kult oder Kommerz? Uralter heidnischer Totenbrauch oder ein Fest mit christlichen Wurzeln? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Halloween:

Was bedeutet der Name?

Halloween kommt von „All Hallows eve“ oder „All Hallows evening“, was auf den Abend vor dem Allerheiligenfest zurückgeht. Dieses feiern die Kirchen am 1. November.

Beruht das Fest auf uralten Totenkulten?

Lange Zeit hieß es, Halloween gehe auf rund 2000 Jahre alte keltische Wurzeln zurück. Die Kelten hätten den 31. Oktober als Tag des Winterbeginns gefeiert mit Masken, Tänzen und Totenkult. Das gilt inzwischen als widerlegt. Auch wird erst seit 835 am 1. November Allerheiligen gefeiert.

Woher kommt das
Fest dann
?

Erste Belege für das Brauchtum finden sich im späten Mittelalter, vor allem in Irland, zum Teil auch in Schottland. Damals luden die Menschen am Vorabend von Allerheiligen zu Festessen ein. Zugleich zogen Kinder von Haus zu Haus, um Spenden zu erbitten. Solche „Heischegänge“ am 31. Oktober waren zum Teil mit Almosen für die Armen verbunden.

Kommt Halloween nicht aus den USA?

Nach aktueller Forschung kam der Brauch mit der irischen Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert in die USA. Von dort gelangte er über in Europa stationierte US-Soldaten und über die populäre Gruselfilmserie „Halloween“ (ab 1978) nach Europa zurück. Hier wurde das bunte Treiben seit den 1990er Jahren immer populärer, auch weil die Geschäftswelt es für sich entdeckte.

Wie wird gefeiert?

In den USA ziehen die Kinder verkleidet von Haus zu Haus und drohen mit dem Spruch „trick or treat“ einen Streich an, falls sie keine Süßigkeiten bekommen. In vielen Gegenden Deutschlands klingeln Kinder mit der Forderung „Süßes oder Saures“ an den Haustüren. Auf Halloween-Partys verkleiden sich auch Erwachsene möglichst gruselig.

Wie denken die Deutschen über Halloween?

Das hängt immer davon ab, wen man fragt. Wer gern verkleidet Party macht oder an dem Hype verdient, steht dem Rummel eher offen gegenüber. Nach einer Umfrage von 2017 ist Halloween vielen Deutschen aber eher ein Graus. Zwei Drittel (65 Prozent) kritisierten in einer repräsentativen Studie das Fest als zu kommerziell. Fast die Hälfte (48 Prozent) bemängelte, als US-Import verdränge es die deutsche Kultur. Ähnlich viele (46 Prozent) äußerten die Sorge, Halloween werde überwiegend genutzt, um zu randalieren. Zugleich stimmten aber auch 81 Prozent der Aussage zu: „Halloween ist für die, die feiern, ein großer Spaß.“

Was hat das Fest mit
Kürbissen zu tun
?

Dass heute Kürbisse ausgehöhlt, zu Fratzen geschnitzt und beleuchtet werden, geht vermutlich auf eine irische Legende zurück: Ein böser Hufschmied namens Jack fand nach seinem Tod keine Aufnahme in den Himmel. Doch auch den Satan hatte er ausgetrickst, sodass dieser keinen Zugriff auf seine Seele bekam. So blieb ihm nur ein Stück glühender Kohle, das er in eine ausgehöhlte Rübe legte. Mit dieser Lampe soll er noch heute durch die kalten Nächte irren. Mit ähnlichen Lichtern, so heißt es, erinnerten die Iren in der dunklen Jahreszeit an das Schicksal des Hufschmieds. Und da die Rübe in Nordamerika nicht heimisch war, stießen die Neuankömmlinge als Ersatz auf den Kürbis.

Wie viel Geschäft steckt hinter Halloween?

Im Jahr 2015 setzte die deutsche Süßwarenindustrie mit Vampiren, Kürbissen und Gespenstern aus Fruchtgummi oder Schokolade rund zwölf Millionen Euro um – 20 Prozent mehr als im Jahr davor. Hinzu kommen nach Schätzungen weitere rund 20 Millionen Euro pro Jahr für Kostüme, Dekoration und andere Produkte rund um Halloween. In den USA sollen die Halloween-Ausgaben 2017 mit 9,1 Milliarden Dollar einen Rekordwert erreicht haben. Die Ausgaben rund um Weihnachten lagen im vergangenen Jahr allerdings bei mehr als einer Billion Dollar. 

Wie steht die Kirchezu Halloween?

Lange Zeit kritisierten Kirchenvertreter die Teufels- und Vampirkostüme am Vorabend von Allerheiligen als unangemessen. Das Gedenken an die Toten werde damit herabgewürdigt. In der evangelischen Kirche war vielen ein Dorn im Auge, dass Halloween dem Reformationstag am selben Tag Konkurrenz macht. Inzwischen sehen die Kirchen den Brauch in der Regel gelassener. In vielen Pfarreien gibt es Alternativ-Angebote, die eher augenzwinkernd dem Kürbisfest etwas entgegensetzen. Dabei greifen sie etwa das Tabuthema Tod jugendgemäß auf.

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