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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Hausmannskost in der Arktis

26.08.2019

Bremerhaven Mit Extremen kennt sich Sven Schnieder aus. Der 52 Jahre alte Koch aus Langen bei Bremerhaven hat schon 14 Monate in der Antarktis in der Küche der Neumayer-Station III gearbeitet. Mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ war er schon im Südpolarmeer unterwegs. Nun steht Schnieder vor einer neuen Herausforderung: Am 20. September wird er als Küchenchef mit an Bord sein, wenn die „Polarstern“ von Norwegen aus startet, um sich ein Jahr für die „Mosaic“-Expedition in der Arktis einfrieren zu lassen.

„Man muss Lust darauf haben, auch auf die Kälte“, sagt der Koch. Und die hat er: „Der Job ist interessanter als jeder andere, den ich bisher machen durfte.“ Schnieder hat schon auf einem Kreuzfahrtschiff angeheuert, in einem Bremer Hotel gekocht, bei einem Caterer in Bremerhaven, in einem Kult-Restaurant auf Sylt sowie in der Schweiz.

Nun ist er wieder mit der „Polarstern“ unterwegs und kocht für Forscher und die Besatzung. Hinter ihm liegen Wochen der Planung: 14 000 Eier, 1400 Liter Milch, eine Tonne Kartoffeln und 150 Gläser Nuss-Nougat-Creme hat er bereits eingelagert – um nur ein paar Dinge zu nennen. Alles, was bis zum „Mosaic“-Start von der aktuellen Crew verzehrt wird, muss er in Tromsø neu anliefern lassen.

Auf dem Schiff sind auch zwei volle Notfallcontainer. „Mit dem Inhalt kann die Mannschaft zwei Monate überleben, falls der Nachschub ausbleibt“, sagt Schnieder. Denn die Planung sieht vor, dass die „Polarstern“ in der zentralen Arktis alle zwei Monate von einem Eisbrecher oder einem Flugzeug versorgt wird. Sollte das einmal nicht klappen, muss Schnieder auf die Reserven zurückgreifen. „Wir werden nicht verhungern“, versichert er.

Die größte Herausforderung für ihn ist eine andere: „Ich muss die Leute in der Dunkelheit bei Laune halten.“ Denn ab Ende Oktober wird es für mehrere Monate dunkel sein. Da sei es gut, dass ihn in der Küche ein Bäcker unterstütze und täglich Brötchen und Kuchen backe. „Die Leute wollen Kohlenhydrate“, weiß Schnieder.

Ziel des einjährigen Abenteuers ist es, Daten zu sammeln, um die Auswirkungen des Klimawandels genauer zu verstehen. Die Arktis gilt als Frühwarnsystem für Veränderungen des Erdklimas. Um in der im Winter eigentlich unzugänglichen zentralen Arktis messen zu können, wird die „Polarstern“ mit etwa 100 Menschen an Bord vom Eis eingeschlossen ohne eigenen Antrieb über den Pol driften.

Eigentlich wollte Schnieder für die Weihnachtszeit auch Spekulatius und Dominosteine einlagern. „Die habe ich aber im August nicht bekommen“, sagt der Koch betrübt. Denn ihm ist es wichtig, dass sich die Crew wohlfühlt. „Keiner soll etwas vermissen“, sagt er. Deshalb nimmt er auch Wünsche entgegen: „Hoch im Kurs steht Hausmannskost, die zu Hause gar nicht gegessen wird: Eisbein zum Beispiel.“

Auch die Grillabende auf dem Arbeitsdeck seien immer beliebt. „Das kann sich am Anfang keiner vorstellen: bei bis zu minus 45 Grad draußen zu grillen“, sagt Schnieder. Mit der entsprechenden Kleidung sei das kein Problem. Jeder lege sich selbst das auf den Grill, was er essen möchte: Fleisch, vegetarische Würstchen oder Ananas. „Das macht allen Spaß“, versichert Schnieder.

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