BRIESKOW-FINKENHEERD - BRIESKOW-FINKENHEERD/DPA - „Ich bin total geschockt.“ Die Frau, die nach dem schrecklichen Fund von neun Babyleichen diesen Satz am Montag im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd (Kreis Oder-Spree) ausspricht, blickt entsetzt auf das Grundstück gegenüber. Es ist das Elternhaus der 39-jährigen Beschuldigten. Dort hat die Frau gewohnt, die jetzt im Verdacht steht, zwischen 1988 und 2004 ihre neun neugeborenen Kinder umgebracht zu haben. „Man kann es nicht fassen“, sagt die Nachbarin und berichtet, wie sie mit den beiden älteren Schwestern der mutmaßlichen Täterin einst gespielt hat. „Die drei Kinder der Familie wurden sehr religiös erzogen“, erinnert sich die Nachbarin, eine Frau um die 50.
Eine Kolonne mit Polizeiwagen verlässt am Nachmittag das Grundstück, während immer mehr Journalisten aus ganz Deutschland anreisen. Vielen von ihnen ist der Ort, wenige Kilometer südlich von Frankfurt (Oder) noch aus dem Jahr 1997 gut bekannt. Die Region um Brieskow-Finkenheerd war vom verheerenden Oderhochwasser überflutet worden. Wieder stehen Einwohner des Ortes fassungslos da. „Es gibt so viele Verhütungsmethoden, wenn eine Frau keine Kinder will“, sagt eine ältere Frau, die mit dem Rad ankommt und schüttelt den Kopf. Einer anderen Bewohnerin, Ute Schlenther, fehlen die Worte. „Wenn das stimmen sollte?“, blickt sie fragend in die Runde. „Ich kann es gar nicht fassen.“ Brieskow-Finkenheerd habe doch so dringend positive und nicht negative Schlagzeilen nötig.
