BRüSSEL - 22 Särge sind weiß. In jedem Sarg liegt ein Kind, die meisten wurden nur zwölf Jahre alt. Sechs Särge sind aus braunem Holz. Dies sind die Särge der Erwachsenen: zwei Busfahrer, drei Lehrer und eine Begleitperson. Als die Särge auf dem Flughafen von Melsbroek bei Brüssel aus den beiden belgischen Transportmaschinen vom Typ Hercules C-130 getragen werden, liegt auf jedem ein Blumengebinde. Wenig später verlässt ein Konvoi mit 14 schwarzen Leichenwagen das Flugplatzgelände. Die Polizisten legen die Hand an die Uniformmütze. Es ist das Ende eines Skiurlaubs von zwei belgischen Schulklassen.

20 Minuten später: Das Königreich Belgien versinkt in Schmerz und Trauer. Um 11.00 Uhr steht das Land still. Am nationalen Trauertag sind alle zu einer Schweigeminute aufgerufen. In den Niederlanden wehen die Fahnen auf halbmast, denn sechs der toten Kinder sind Niederländer.

In Belgien scheint sich niemand bewegen zu wollen oder zu können. In Lommel an der niederländischen Grenze und in Heverlee bei Löwen stehen die Menschen in der Nähe der beiden Schulen, aus denen die Kinder kamen, die am 5. März lachend und erwartungsfroh zu den Skiferien im schweizerischen St. Luc aufgebrochen waren. Blumen überall, Kerzen auf dem Gehsteig, Kinderbilder an den Mauern des Schulhofs. „Der Schmerz ist so groß, aber das hilft“, sagt ein Mann.

Dies ist noch nicht das Ende des Schmerzes, der nicht nur die Familien und Freunde der Opfer erschüttert hat. Am Mittwoch wird es eine große Trauerfeier in Lommel geben, zu der sich König Albert II. angesagt hat.

Unterdessen teilte der Untersuchungsrichter Olivier Elsig am Freitag bei einer Pressekonferenz in Sitten mit, dass der Fahrer des Unglücksbusses weder Herzprobleme noch Alkohol im Blut hatte. Der Mann sei auch nicht zu schnell gefahren. Die Ursache des Unfalls mit 28 Toten bleibt somit weiter unklar.