BRüSSEL -

Redaktion Brüssel

BRÜSSEL - Das Madeleine-Jacqmotte-Gymnasium im Brüsseler Viertel Ixelles gilt als Problemschule. Lehrer werden dort regelmäßig verprügelt, Türen eingetreten, Stunden geschwänzt. Ein neuer Direktor greift deshalb zur Brachialpädagogik.

Freddy Lambremont kommt rein äußerlich als Musterausgabe des geduldig-gutmütigen Lehrers daher: Ein Mitfünfziger mit weißem Haar, Vollbart und großen Brillengläsern. Doch der erste Eindruck täuscht. Seit Lambremont vor gut fünf Monaten die Schulleitung des Brüsseler Madeleine-Jacqmotte-Gymnasiums übernahm, wird in Belgien halb verwundert, halb verstört sein ungewöhnlich kompromissloses Durchsetzungsvermögen beobachtet.

Bereits 125 von ehemals 600 Schülern hat Lambremont kurzerhand hinausgeworfen, weil sie entweder schamlos Stunden schwänzten, Lehrkräfte attackierten oder Schulinventar demolierten. „Es werden demnächst noch weitere rausfliegen“, droht der Brachialpädagoge schon mal an. Das berüchtigte Gymnasium soll zu einer Vorzeige-Schule werden.

Auch im Kampf gegen das Schulschwänzen hat Lambremont andere Saiten aufgezogen. Genoss die Schule einst den Ruf, besonders lax mit gefälschten Attesten umzugehen, prüft der Direktor nun im Zweifel jede Krankmeldung persönlich auf Echtheit.

Im Ministerium für Erziehung sollen schon Dankesschreiben all jener Eltern und Schüler eingegangen sein, die das neue Lernumfeld am Gymnasium zu schätzen wissen.