Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Liberia rasche Hilfe im Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus versprochen. Dabei könnte auch die Bundeswehr zum Einsatz kommen. Die Kanzlerin erklärte am Mittwoch, es gehe um Lufttransporte, sichere Rücktransporte für Ärzte und andere Helfer sowie um eine Krankenstation und die Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation.
US-Präsident Barack Obama hatte zuvor angekündigt, er wolle 3000 Soldaten und zivile Vertragsarbeiter der Armee nach Westafrika schicken.
„Die Situation in Liberia ist in der Tat dramatisch“, sagte Merkel. Zu dem persönlichen Appell der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf an Merkel sagte die Kanzlerin: „Wir werden sehr schnell agieren und mit allem, was wir zur Verfügung haben, bereitstehen.“ Die Staatschefin des westafrikanischen Landes hatte Angela Merkel und neun weitere Staatschefs um Hilfe gebeten.
Aus Regierungskreisen gibt es allerdings bislang keine Hinweise darauf, dass sich deutsche Soldaten über die Einrichtung einer Luftbrücke hinaus an Ebola-Hilfseinsätzen in Westafrika beteiligen werden. Auch die Bundeswehr prüfe, ob sie logistische Hilfe leisten könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.
Ein Einsatz der Bundeswehr habe keine Priorität, sagte der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, dem „Handelsblatt“ (Online-Ausgabe). „Wir werden die finanzielle Hilfe deutlich aufstocken müssen“, fügte er hinzu. Die Fraktion der Linken im Bundestag bezeichnete die Hilfen der Bundesregierung als zu gering und zu zögerlich.
Der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Peter Neher, warnte im Interview mit dieser Zeitung vor einer humanitären Katastrophe. „Die meisten Fluggesellschaften fliegen Sierra Leone, Guinea und Liberia nicht mehr an. Auch der Schiffsverkehr ist eingeschränkt worden“, sagt Neher. Dies brächte auch den Handel in den betroffenen Ländern zum Stillstand und würde zu extremen Preissteigerungen führen, meint der Experte. „Gleichzeitig führt die Abriegelung ganzer Stadtgebiete dazu, dass Menschen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können“, meint Neher weiter.
