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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Riesiger Eisberg abgebrochen

02.10.2019

Canberra In der Antarktis ist ein riesiger Eisberg mit einer Fläche von 1636 Quadratkilometern abgebrochen – etwa so groß wie das Stadtgebiet von London. Die Eismasse zwischen den australischen Forschungsstationen Davis und Mawson löste sich Mitte vergangener Woche, wie die australische Antarktis-Agentur AAD am Dienstag mitteilte. Der 50 mal 30 Kilometer große Eisberg mit dem Namen „D28“ war Teil des sogenannten Amery-Schelfeises der Ostantarktis.

„Das Schelfeis ragte bereits sehr weit raus in den Ozean, fast wie eine Zunge“, erklärte Daniela Jansen vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut. Helen Amanda Fricker von der US-amerikanischen Scripps Institution of Oceanography sagte: „Wir glauben nicht, dass dieses Ereignis mit dem Klimawandel zusammenhängt. Das ist Teil des normalen Zyklus im Schelfeis, wo wir alle 60 bis 70 Jahre große Kalb-Ereignisse sehen.“

Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die von Gletschern gespeist werden. Weil immer mehr Eis nachkommt, brechen an den äußeren Kanten regelmäßig Eismassen ab. Zuletzt gab es am Amery-Schelf­eis 1963/64 eine vergleichbare Ablösung. Als Kalben wird es bezeichnet, wenn größere Stücke von einem Gletscher oder anderen Eismassen ins Meer wegbrechen.

So gewaltig er wirkt, der größte abgebrochene Eisberg vergangener Jahrzehnte ist „D28“ nicht. Im Juli 2017 war in der Westantarktis ein gigantischer Eisberg vom Larsen-C-Schelfeis mit einer Fläche von 5800 Quadratkilometern abgebrochen. „A68“ war einer der größten Eisberge, den Forscher jemals erfasst haben. Damals war er 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit. Wissenschaftler befürchten, dass durch Abbrüche langfristig das gesamte Larsen-C-Schelfeis in der Westantarktis zerfallen könnte. 1995 und 2002 waren erst das Larsen-A-Schelfeis und später das Larsen-B-Schelfeis fast vollständig zerfallen.

Das gut 60 000 Quadratkilometer große Amery-Schelf­eis bildet sich aus den Eisflächen des dort ins Meer mündenden Lambert-Gletschers. Es ist das drittgrößte Schelfeis der Antarktis. Das Gebiet wird bereits seit den 1960er Jahren untersucht. Dass ein neuer Abbruch bevorsteht, war bereits seit Jahren klar. Nun zeigten Aufnahmen des Satelliten „Sentinel-1“ des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, dass sich die Eisfläche gelöst hat.

Weil die Eismasse schon zuvor auf dem Wasser geschwommen sei, gebe es keine direkten Auswirkungen auf die Höhe des Meeresspiegels, hieß es am Dienstag. Schwimmendes Eis verdrängt im Wasser genau so viel Volumen wie sein Schmelzwasser später einnimmt.

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