CASERTA - Es fällt schwer, auch nur annähernd die Leiden nachzuvollziehen, die Maria M. 18 Jahre lang ertragen musste. Eingekerkert von ihrer eigenen Familie lebte die heute 47-Jährige in einem völlig verschmutzten Zimmer ihres Elternhauses in Santa Maria Capua Vetere bei Caserta (Süditalien) – zwischen Müll, Exkrementen und entsetzlichem Gestank. Ihr „Verbrechen“: Vor 17 Jahren hatte sie ein uneheliches Kind zur Welt gebracht.

Den Carabinieri, die die Frau am Wochenende befreiten, bot sich ein Bild des Grauens. Einer der Männer sprach von „unbeschreiblichen hygienischen Zuständen“. Ein fensterloser Raum, eingerichtet nur mit einem Bett und einem Stuhl sowie einer angrenzenden, aber wohl schon seit Jahren funktionsuntüchtigen Toilette: Das war fast 20 Jahre lang das Zuhause von Maria M.

Nach einem anonymen Anruf fanden die Polizisten die 47-Jährige. Spärlich bekleidet soll sie italienischen Medien zufolge auf dem völlig verdreckten Bett gesessen haben. Das Essen wurde ihr in einer Art Napf gebracht – fast so, als wäre sie ein Tier.

Derzeit wird Maria M. in einem Krankenhaus in Neapel behandelt. Sie leidet nach Angaben der Polizei unter starken psychischen Störungen.

Marias 80-jährige Mutter wurde wegen ihres hohen Alters unter Hausarrest gestellt. Bruder Prisco (45), der als Landwirt arbeitet, und Schwester Michelina (51), die Grundschullehrerin ist, sitzen im Gefängnis und sollen in den nächsten Tagen eingehend verhört werden. Ihnen drohen Haftstrafen wegen Misshandlung und Freiheitsberaubung.

Medien berichteten, die Verwandten hätten mit Unverständnis auf den Polizeieinsatz reagiert. Die Familie habe geäußert, Maria haben wegen der „Schande“ ihre gerechte Strafe erhalten.

Unklar ist noch, ob das Opfer vor seinem Martyrium psychische Störungen hatte oder ob Maria diese in den langen Jahren der Einsamkeit erst entwickelte. Die Polizei ist auf der Suche nach dem Vater des unehelichen Kindes, um Antworten auf viele offene Fragen zu finden.

Unterdessen scheint sich ein weiteres, furchtbares Detail herauszukristallisieren: Der 17-jährige Sohn, der bei der Familie aufgewachsen ist und ganz normal eine Schule besucht, soll von der Lage seiner Mutter gewusst haben. „Er kannte ihr Gefängnis, aber er schämte sich und wusste nicht, was er tun sollte“, hieß es.

Die Familie hatte Maria M. offiziell als psychisch krank gemeldet und sogar eine kleine Rente für sie kassiert.