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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Leopard beißt Tierpfleger ins Gesicht

23.09.2017

Chemnitz Ein Tierpfleger ist im Chemnitzer Tierpark von einem Leoparden angegriffen und verletzt worden. Der 56-Jährige erlitt bei der Attacke am Freitagmorgen Bissverletzungen im Gesicht sowie einen Schock. Wie die Stadt mitteilte, hatte das gleiche Tier im November 2006 eine 23 Jahre alte Pflegerin getötet. Der nun betroffene Pfleger habe das 19 Jahre alte Weibchen abwehren, das Gehege verlassen und die Türen schließen können, hieß es. Er arbeitet seit 29 Jahren in der Anlage und gilt als erfahren.

Der 56-Jährige wurde noch am Freitag operiert, Lebensgefahr besteht nach Angaben der Stadt nicht. Der Hergang des Unglücks war zunächst unklar, Augenzeugen gab es nicht. Normalerweise sind Raubtiere und Pfleger stets durch Gitter voneinander getrennt. Eine junge Pflegerin hatte am Freitag nebenan gearbeitet und leistete nach der Attacke Erste Hilfe. Gäste waren zu dem Zeitpunkt noch nicht im Tierpark.

Das betagte Leopardenweibchen soll Besuchern nun zunächst nicht mehr gezeigt werden und erst einmal zur Ruhe kommen. Es habe ein normales Verhalten gezeigt und sein Revier verteidigt, sagte der Chemnitzer Pressesprecher Robert Gruner. Der Tierpark blieb am Vormittag geschlossen, öffnete später aber wieder.

Vor elf Jahren hatte die Leopardin eine Tierpflegerin durch einen Nackenbiss getötet. Die junge Frau hatte den Käfig reinigen wollen. Die Ermittlungen ergaben damals, dass die Schieber zum Gehege nicht verriegelt waren. Bei einem ähnlichen Vorfall Anfang 2004 war in Chemnitz eine Pflegerin von einem Löwen schwer verletzt worden.

Die Tierrechtsorganisation PETA übte Kritik an der Haltung von Großkatzen in Zoos. „Leoparden haben einen natürlichen Freiheitsdrang. Durch die artwidrige Haltung in viel zu kleinen Gehegen in Zoos und Tierparks nutzen die Großkatzen jede Gelegenheit, ihrem Gefängnis zu entkommen“, erklärte die Biologin Yvonne Würz. „Bestimmte Tiergruppen wie Großkatzen, Eisbären oder Menschenaffen leiden immens unter der Gefangenschaft und stellen eine permanente Gefahr für Besucher und Zoopersonal dar.“

PETA verwies auf weitere Vorfälle in deutschen Zoos: „2013 tötete ein Tiger einen Tierpfleger im Allwetterzoo Münster; im Jahr zuvor wurde eine Wärterin im Kölner Zoo ebenfalls von einem Tiger getötet.“ Seit Anfang 2012 seien mindestens sieben Mal Großkatzen aus Gehegen entkommen, zuletzt 2017 ein Luchs aus der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen.