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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Freizeit: Tierschützer fordern Kutschen-Verbot

30.09.2019

Cuxhaven /Berlin Sollte der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. am Ende doch recht behalten? „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“, soll der Monarch vor gut 100 Jahren gesagt haben. Das Zitat ist ihm wahrscheinlich fälschlich zugeschrieben, doch es wird von Pferdefreunden gern erwähnt. Die Reiterlobby verteidigt ihren Sport gegen den Vorwurf, besonders unfallträchtig und gefährlich für Mensch und Tier zu sein.

Denn tragische Kutschenunfälle mit Schwerverletzten und Toten sorgen in diesem Jahr in der Lüneburger Heide, beim Rosenmontagszug in Köln oder in Bayern gleich mehrfach für Schlagzeilen. „Pferdekutsche stürzt im Watt bei Cuxhaven um“, „Insekt verstört Pferd“ oder „Kutschpferde gehen durch“, heißt es in Meldungen der vergangenen Monate.

Im August stirbt ein Kutscher in Berlin, als sein von zwei Pferden gezogener Wagen gegen einen Mast auf dem Gehweg prallt. Lebensgefährlich verletzt wird eine 79 Jahre alte Frau bei einem Kutschenunfall im August in der Lüneburger Heide, fünf weitere Senioren werden schwer und zwölf leicht verletzt. Was ist passiert? Die Kutsche wird auf einem Gefälle zu schnell, überfährt einen Findling und kippt um. Im September 2018 stirbt eine Frau auf einem Friedhof in Hamburg: Dort springt ein Pferd auf die Motorhaube eines Autos, die umstürzende Kutsche klemmt zwei Frauen ein.

Erschreckte Pferde gelten als die häufigste Ursache bei Kutschenunfällen. „Pferde sind aufgrund ihrer Natur völlig ungeeignet, Kutschen zu ziehen“, sagt Peter Höffken von der Tierrechtsorganisation Peta. „Keine Airbags, Gurte oder moderne Bremssysteme – das Risiko für Menschen und Tiere ist hoch.“ Pferde gehörten daher auf die grüne Wiese, aus Tierschutzgründen sollten Pferdekutschen auf Straßen und Wegen verboten werden.

Das Statistische Bundesamt weist für das vergangene Jahr sechs Tote und 115 Verletzte durch Unfälle mit Kutschen und anderen Fuhrwerken aus. 2017 waren es drei Todesfälle und 97 Verletzte.

Auch wenn die Zahlen kein klares Bild über eine langfristige Zu- oder Abnahme von Kutschenunfällen vermitteln: Die Reiterlobby hält den Anteil der Kutschen am Verkehrsgeschehen für gering. „Unfälle passieren wie überall und meistens durch menschliche Fehler“, sagt Sonja Schütz von der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland. „Bei Autounfällen verbieten wir ja auch nicht das Autofahren.“

Die Vereinigung setzt sich für eine bessere Ausbildung von Kutschern ein, fordert dies aber auch von Autofahrern. „Es ist erschreckend, wie rücksichtlos Autofahrer oft überholen, wenn sie etwa eng an Pferdekutschen vorbeipreschen und dann ganz knapp wieder einscheren“, ärgert sich Schütz. Dabei sollte es ihrer Meinung nach eigentlich viel mehr Pferdekutschen und weniger Autos in den Städten geben: „Das wäre auch im Sinne des Klimaschutzes“, sagt sie – halb im Scherz.

Als ernsthafte Alternative für die Mobilität in Städten sind Kutschen jedenfalls nicht geeignet, wie der Deutsche Städte- und Gemeindebund urteilt. Sie könnten allenfalls ein touristisches Angebot sein, sagt ein Sprecher. Effektiver sei es, den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken und das Radwegenetz auszubauen – oder auf Elek­tromobilität zu setzen.

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