DARMSTADT - Die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa soll einen Mann bei ungeschütztem Sex mit HIV angesteckt haben, obwohl sie von ihrer Infektion wusste. Am Wochenende wurde sie kurz vor einem Solo-Auftritt in Frankfurt verhaftet. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt wirft der 26-Jährigen gefährliche Körperverletzung vor. Sie sitzt derzeit in einem hessischen Gefängnis in Untersuchungshaft – Grund: Wiederholungsgefahr. Die junge Frau hat eine kleine Tochter, die 1999 geboren wurde.
In den Jahren 2004 und 2006 soll die Sängerin mit drei Männern ohne Schutz geschlafen haben, hieß es am Dienstag von der Staatsanwaltschaft. Einer der drei sei ebenfalls HIV-positiv, vermutlich infolge des Verkehrs mit Benaissa. Eine HIV-Infektion kann zur Immunschwächekrankheit Aids führen.
Benaissas Berliner Anwalt geht davon aus, dass die Untersuchungshaft für seine Mandantin unverzüglich aufgehoben wird. Für ein aktuelles strafrechtliches Verhalten gebe es „keine irgendwie gearteten Anhaltspunkte“, schrieb Jurist Christian Schertz in einer Mitteilung.
Schertz kritisierte zugleich die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Die Pressemeldung stehe nicht im Einklang mit den Vorschriften des hessischen Landespressegesetzes. Die Behörde, so meint Schertz, hätte keine Erklärung über den Tatvorwurf abgeben dürfen.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft verteidigte die Verhaftung Benaissas in der Öffentlichkeit. „Wir haben ihre Wohnadresse observiert und festgestellt, dass sie nicht immer anwesend war. Also mussten wir einen Termin wählen, zu dem die Sängerin mit Sicherheit hingeht“, erklärte Ger Neuber. Dazu habe sich der Auftritt in Frankfurt angeboten.
Die Deutsche AIDS-Hilfe nannte die Verhaftung eine unverhältnismäßige Aktion der hessischen Justiz. Bei einer Verurteilung droht Benaissa eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.
Die No Angels waren 2000 bei der TV-Serie „Popstars“ entdeckt worden und sind die bislang erfolgreichste deutsche Mädchenband.
