Köln - Der Graf will nicht mehr. Der glatzköpfige Sänger der Band Unheilig, der seine emotionalen Songs so kontrolliert vorträgt, hat einen außergewöhnlichen Weg gewählt und sich in einem Offenen Brief im Internet erklärt: Er wolle mehr Zeit für die Familie haben.
Davor allerdings kommt ein neues Album heraus, und es gibt eine Abschiedstournee. 2016 soll dann das letzte Konzert sein. Die Fans äußern sich in den sozialen Netzwerken geschockt und zugleich voller Verständnis. „Ich hoffe der Graf wird glücklich mit dem was er vor hat“, schreibt einer, und auch andere schreiben in diesem Tenor. An dem Brief habe er drei Wochen geschrieben, bekennt der Musiker aus Aachen am Montag. Aber mit der bevorstehenden Tournee habe der angekündigte Abschied nichts zu tun, sagt der Künstler, der stets in Gehrock, Krawatte und weißem Hemd auftritt. „Ich brauche die zwei Jahre Abschied.“
Die Lieder auf dem neuen Album „Gipfelstürmer“, das im Dezember, herauskommt, seien für ihn die besten Songs, die er je geschrieben habe, erläutert er in seinem Brief. Es geht darin um die großen Themen im Leben, um Hoffnung, Ängste, Glück, Trost und Abschied.
Zum Chart-König wurde der Graf 2010. Der Mann, der sich einst die Fingernägel schwarz lackierte und mit Dracula-Blick verschreckte, schaffte den großen Durchbruch mit dem Song „Geboren um zu leben“. Er entstieg der Subkultur und gab mehr von sich preis. Sein Alter und seinen Namen, das sagt er aber immer noch nicht.
Ihm als Familienmensch sei bewusst geworden, worauf die Menschen in seinem Umfeld die letzen Jahre verzichtet hätten, schreibt der Musiker und Texter. Privat lebt er bei Aachen in Nordrhein-Westfalen und zwar unauffällig.
Und gibt es ein Hintertürchen für den angekündigten Abschied? „Es gibt kein Comeback!“, sagt er entschieden.
