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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Der Prinz der Spitzen

07.07.2015

München Der Aachener Karnevalsverein zeichnet den bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU) mit dem Orden wider den tierischen Ernst aus. Die Begründung: „Er ist ein Politiker, der keine Angst hat, Schläge auszuteilen, aber auch gerne einstecken muss“, sagte Vereinspräsident Werner Pfeil am Montag in München. Der Elferrat würdigt die extravaganten Kostüme, die Söder alljährlich bei der Veitshöchheimer Fastnacht zur Schau trägt - ob als Shrek, Marilyn Monroe oder Mahatma Gandhi: „Das sind Dinge, wo Politik und Karneval miteinander verbunden sind“, sagte Pfeil. Zum Karnevalsritter geschlagen werden soll Söder am 23. Januar.

Faschings- und Karnevalsorden für Politiker sind ein win-win-Geschäft für beide Seiten: Die Vereine schmücken sich mit prominenten Ordensträgern, auch wenn es sich bei diesen um humorfreie Sauertöpfe handelt. Und für die Politiker bietet der Fasching eine willkommene Bühne.

Anders als viele seiner Vorgänger ist der künftige Faschingsritter Söder tatsächlich als boshafter Spaßvogel bekannt. So ernannte Söder Ministerpräsident Horst Seehofer beim Münchner Maibock-Anstich 2013 zum „eiskalt gehopften Hallodri“. Beim Chef kam das gar nicht gut an, die Folge war monatelanges Stirnrunzeln. Die dauernden Spannungen zwischen Finanzminister und Ministerpräsident sind ebenso Folge von Söders Ehrgeiz wie seiner Respektlosigkeit.

Der Orden für Söder ist ohnehin ein kleines Politikum: Der Finanzminister ist der fünfte CSU-Politiker, der den Orden wider den tierischen Ernst erhalten wird; nach Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und den früheren Parteichefs Edmund Stoiber, Theo Waigel und Franz Josef Strauß. Letzterer wurde 1989 posthum geehrt.

Nun wird der „Prinzling“ (O-Ton Seehofer) ausgezeichnet und nicht Seehofer, wiewohl der Ministerpräsident nach eigenem Bekunden sehr großen Wert auf Humor legt. Doch der Aachener Karnevalsverein hat Seehofer übergangen: „Der Elferrat hat sich ganz bewusst für einen neuen Ritter entschieden“, antwortet Präsident Pfeil auf eine entsprechende Journalistenfrage. „Das gibt jetzt Ärger“, ahnt Söder.

Eins müssen die Aachener Karnevalisten aber nicht fürchten: Dass Söder der Orden deswegen unwillkommen wäre. Dessen Liebe zur Publicity liefert den Kabinettskollegen - Seehofer eingeschlossen - häufig Stoff für Lästereien.

Und so wird Söder die Ordensverleihung mutmaßlich für einen aufsehenerregenden Auftritt nutzen, auch wenn Seehofer anschließend wieder monatelang granteln sollte. „Ich habe immer die Wahl zwischen einer halben Stunde Spaß und einem halben Jahr Ärger“, sagt der Finanzminister.

Die Kollegen in der CSU-Spitze werden jedenfalls aufmerksam verfolgen, welche Bosheiten Söder sich in der Kaiserstadt Aachen erlauben wird. Die Ritterrede wird mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Indikator der bayerischen Machtverhältnisse: Je frecher Söders Auftritt, desto schwächer Seehofer.

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