• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama

Lügde-Täter sollen nie wieder freikommen

06.09.2019

Detmold „Monströs“, „abscheulich“ und „widerwärtig“: Ihre Worte, so warnt die Vorsitzende Richterin Anke Grudda gleich zu Beginn der Urteilsbegründung, reichten nicht aus, das Geschehen zu beschreiben. Über Jahre hinweg hatten die beiden Männer vor ihr auf der Anklagebank das Vertrauen kleiner Kinder erschlichen, um sie zu vergewaltigen. Eine heruntergekommene Behausung auf einem Campingplatz in Lügde am östlichen Rand Nordrhein-Westfalens wurde zum Tatort – und zum Inbegriff für Kindesmissbrauch in ungeheurem Ausmaß.

An diesem Donnerstag, nach zehn Verhandlungstagen vor dem Landgericht Detmold, ist davon auszugehen, dass die beiden deutschen Angeklagten es äußerst schwer haben werden, je wieder freizukommen. Nach langen Haftstrafen sollen sie in Sicherungsverwahrung bleiben – zu groß sei das Risiko, dass sie sich wieder sexuell an Kindern vergehen könnten, so Grudda. Der 56-Jährige Dauercamper Andreas V. erhält eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren – der 34-jährige Mario S., der immer wieder bei ihm zu Gast war, zwölf Jahre.

Es ist brechend voll im größten Gerichtssaal, den das Landgericht Detmold zu bieten hat. Hinter einer Doppelreihe mit Opferanwälten drängen sich Medienvertreter und Zuschauer. Ein Urteil in ähnlicher Höhe war erwartet worden. Und so bezeichnen Nebenklägeranwälte es später vor dem Gerichtssaal als angemessen. Selbst die Verteidiger waren von zweistelligen Haftstrafen ausgegangen.

Das, was Andreas V. und Mario S. den Kindern zufügten, wird sie wohl ihr Leben lang begleiten, davon zeigt sich Richterin Grudda in ihrer rund 50-minütigen Urteilsbegründung überzeugt. Die Kammer hat in dem Verfahren etliche schwer traumatisierte Kinder oder weiterhin unter den Folgen des Kindesmissbrauchs leidende Erwachsene kennengelernt.

Es reichen einzelne Eindrücke, die Grudda wiedergibt, um eine vage Vorstellung des Grauens und fortdauernden Leides zu bekommen. „Viele Kinder haben bis heute Angst, dass die Angeklagten aus dem Gefängnis fliehen“, sagt sie. Dabei galten beide als Kindermagneten, sie spielten Vaterfigur, lockten mit Geschenken und machten den Campingplatz zum Kinderparadies. So schildert die Richterin das „perfide System“, das den jahrelangen Missbrauch erst möglich machte. Das Verhalten sei „durch nichts, aber auch gar nichts zu entschuldigen“.

Insgesamt zählt die Anklage 32 Opfer, es seien vermutlich noch mehr gewesen. Die jüngsten Opfer waren vier und fünf Jahre alt. Rund 450 Missbrauchstaten umfasste die Anklage, davon mehr als die Hälfte Vergewaltigungen.

Schuldbewusstsein zeigten die Angeklagten nicht: So habe Andreas V. den Prozess durchgehend emotionslos verfolgt und immer wieder abgeschaltet, als wolle er sich nicht mit seinen Taten befassen, schildert die Richterin. Mario S. spricht sie ebenfalls jegliche Empathiefähigkeit ab. Er habe in seiner Selbstbezogenheit nicht begriffen, was er den Kindern angetan habe.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.