• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama

Prozessauftakt: „Führerscheinkönig“ bestreitet Vorwürfe

05.12.2019

Detmold Fast zwei Stunden lesen die beiden Staatsanwälte die Namen und Wohnorte der Geschädigten vor. Es sind rund 700. Den Zuhörern im Landgericht Detmold kommt es am Mittwoch zum Prozessauftakt vor wie ein Ritt über die Landkarte Deutschlands. Die Opfer kommen aus Berlin, eine Frau Dr. aus Jena, andere aus Cuxhaven, Darmstadt, Meschede, Kamen, Castrop-Rauxel, Fulda und München.

Sie alle vereint: Sie haben dem selbst ernannten „Führerscheinkönig“ von Detmold mindestens 1200 Euro überwiesen. Andere sogar mehr. Die erste Rate über 600 Euro war für Informationsmaterial, der Rest sollte für das Prüfen, Übersetzen und Verschicken nach England sein. Von dort sollte ein neuer EU-Führerschein als Ersatz für die verlorene „Fleppe“ kommen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber wussten der „Führerscheinkönig“ (51) und seine Ehefrau (44) zu diesem Zeitpunkt bereits, dass der Führerscheintausch in England aussichtslos sein würde. „165 Tage Wohnsitz in England sind Voraussetzung. Sie haben den Antragstellern erzählt, dass die Behörden in England das nicht so ernst nehmen würden“, sagt Staatsanwalt Kristoffer Mergelmeyer. Außerdem hätte auf einer Internetseite der Firma gestanden, dass ein Wohnsitz in der EU ausreiche, um in England einen neuen Führerschein zu bekommen. „Der hätte aber in Großbritannien sein müssen“, erklärt er.

Das sei gewerbsmäßiger Betrug. Hinzu kommt noch Steuerhinterziehung. Das Paar hatte in Tschechien ein Büro eröffnet. Nach Ansicht der Ermittler, um in Deutschland keine Umsatzsteuer abführen zu müssen.

Der Angeklagte Rolf Herbrechtsmeier zeigt sich gelassen. Bereits vor dem Prozessstart gibt er auf dem Gerichtsflur Interviews, bestreitet Betrug und Steuerhinterziehung. Bei der für die Staatsanwaltschaft mühsamen Anklageverlesung plaudert er ständig auf der Anklagebank, grinst in Richtung der Zuschauer und tauscht Zettel mit seiner Frau aus.

Dem Staatsanwalt platzt irgendwann der Kragen: „Wenn ich das hier schon vorlese, dann hören Sie gefälligst zu“, sagt Mergelmeyer. Gericht und Staatsanwaltschaft hatten zuvor vorgeschlagen, bei der Verlesung der Anklage auf die Details zu den Opfern zu verzichten. Das hatte die Verteidigung abgelehnt. Der Staatsanwaltschaft blieb nichts anderes übrig, als mehrere 100 Namen, Adressen und die Schadenshöhe einzeln vorzulesen.

Wer in Deutschland seinen Führerschein verliert, kann unter bestimmten Voraussetzungen auf das EU-Ausland ausweichen. Allerdings hat der Europäischen Gerichtshof (EuGH) dem enge Grenzen gesetzt. Der Gesamtschaden durch Betrug und Steuerhinterziehung liegt laut Anklage bei rund einer Million Euro. Zum Auftakt wollten sich die Angeklagten nicht äußern. Dies könne sich aber ändern, teilen die Verteidiger mit.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.