New York - Es ist die vielleicht politischste Pille seit der Anti-Baby-Pille: In den USA kommt Flibanserin auf den Markt, besser bekannt als „Viagra für Frauen“. Doch die rosa Pille – in Deutschland erdacht, in den USA marktreif gemacht – sorgt für einen Streit, der weit über das Fachliche hinausgeht. Ein Kritikpunkt: Flibanserin, das als Addyi auf den Markt kommen wird, sei politisch durchgedrückt und helfe nur einem Bruchteil der Betroffenen. Das könnten Millionen sein.
Die „Pink Viagra“ könnte vielleicht tatsächlich das Leben unzähliger Frauen – und ihrer Männer – verändern, aber es ist eben doch kein Viagra. Die blaue Pille wirkt direkt auf den Körper: Sie hilft Männern, eine Erektion zu bekommen. Es geht rein um das Können, nicht das Wollen. Das ist bei vielen Frauen anders. Sie haben selten oder gar keine Lust auf Sex und wenn es doch dazu kommt, empfinden sie keinen Spaß.
Nun gibt es eine Pille. Sprout Pharmaceuticals, ein kleines, extra für Flibanserin gegründetes Unternehmen aus North Carolina, hatte von der deutschen Boehringer Ingelheim das Patent übernommen, nachdem die Rheinland-Pfälzer an der US-Arzneibehörde FDA gescheitert waren. Ursprünglich sollte das Präparat gegen Depressionen helfen, die luststeigernde Wirkung fiel nebenbei auf. Das Unternehmen geht von etwa zehn Prozent aller von mangelnder Lust betroffenen Frauen aus, denen geholfen werden könnte.
Doch auch wenn das Mittel nur für einen Bruchteil der Frauen interessant ist – weltweit könnten das Millionen sein. Die womöglich Milliarden zahlen würden.
Jetzt hat die FDA Flibanserin zugelassen. Sprout kündigte an, das Mittel unter dem Markennamen Addyi am 17. Oktober auf den Markt zu bringen. Preis: noch unbekannt, ebenso wie Pläne für einen Start in Deutschland.
Es gab zwar auch Fragen zur Sicherheit – wegen möglicher Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit, worüber jede zehnte Testerin klagte. Zweifel gibt es aber vor allem an der Effizienz. „Die Wirkung ist gering“, sagte der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter.
