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Prozess Die Gewalt im Horror-Haus von Höxter

Florentine Dame Carsten Linnhoff

Höxter/Paderborn - Im Mordprozess um die Quälereien in einem Haus im ostwestfälischen Höxter hat die Angeklagte Angelika W. von eigenen leidvollen Misshandlungserfahrungen berichtet. Ihr mitangeklagter Ex-Mann Wilfried W. habe sie schwer mit heißem Wasser im Nacken, an der Schulter und am Arm verbrüht, schilderte die 47-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht Paderborn.

Unter den Wunden leide sie noch heute. Das Ex-Paar ist wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen sowie mehrfacher Körperverletzung angeklagt. Die beiden sollen Frauen über Jahre hinweg mit Kontaktanzeigen in ihr Haus gelockt und brutal gequält haben.

Ein Opfer entkam

Zwei Frauen aus den niedersächsischen Städten Uslar und Bad Gandersheim starben infolge der Misshandlungen im „Horror-Haus“. Eine weitere Frau aus Magdeburg entkam. Angelika W. beantwortete am Mittwoch detailliert Fragen zu ihrem Leben und wie sie ihren ein Jahr jüngeren Ex-Mann kennenlernte.

Bereits nach einem Tag habe er nicht mehr ihre Hand gehalten, sondern sie beschimpft. Wenige Tage später soll er sie geschlagen haben. Dennoch heirateten die beiden. Im Laufe der Ehe seien die Misshandlungen brutaler geworden.

Wilfried W. äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Auch bei der Polizei hatte er nicht ausgesagt. Laut Verteidiger Detlev Binder will der Angeklagte im Prozessverlauf eine Stellungnahme von seinem Anwalt vorlesen lassen. Binder hatte im Vorfeld geäußert, dass sein Mandant nicht der Haupttäter sei. Ganz im Gegenteil: Wilfried W. sei Zeuge gewesen, habe nicht selbst misshandelt.

Todesängste

Die Angeklagte schilderte dagegen brutale Einzelheiten aus dem Zusammenleben mit ihrem Ex-Mann. Neben Tritten und Schlägen habe Wilfried W. sie über Jahre immer wieder unter Decken mit seinem Körper eingequetscht und ihr die Luft abgedrückt. Dabei habe sie Todesängste ausgestanden. Bis zu hundert Mal habe er in ihre Brüste gebissen. „Dabei gab es zum Teil Abdrücke von seinen Zähnen. Meine Brustwarzen waren blutig und zum Teil abgebissen“, sagte die Angeklagte.

Warum sie das alles ausgehalten habe und nicht zur Polizei oder zu einem Arzt gegangen sei, fragte das Gericht. Sie habe Wilfried W. nicht ins Gefängnis bringen wollen, sagte die 47-Jährige. Zudem habe sie sich schuldig gefühlt. „Das Böse hat er immer mit meinen Verfehlungen begründet: Wenn ich keine Fehler gemacht hätte, hätte er nicht böse werden müssen. Zumindest hat er mir das so immer vorgeworfen.“ Am Nachmittag wollte der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus Fragen der Prozessbeteiligten zur bisherigen Aussage von Angelika W. zulassen.

Oberstaatsanwalt Ralf Meyer betonte in einer Verhandlungspause, dass die von Angelika W. geschilderten eigenen Misshandlungserfahrungen nicht Teil der Mordanklage seien.

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