• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama

Künstler Sammelt Verlorenes: Die Notizen einer Stadt

14.07.2015

Bergkamen Bei manchen Zetteln ist die Botschaft klar: „Hier ist kein Hundeklo“ hat ein erboster Nachbar in Bergkamen (Kreis Unna) mit schwarzem Stift von Hand geschrieben. Und er hat das „kein“ dabei doppelt unterstrichen. Irgendwann muss der wütende Hinweis jedoch abgefallen sein - und gelangte in die Hände des Mainzer Aktionskünstlers „Brandstifter“. Der 47-Jährige sammelt achtlos weggeworfene oder verloren gegangene Zettel und stellt sie zu einer „Asphaltbibliotheque“ zusammen.

Bis Mitte August sollen die Fundstücke aus Bergkamen zu einer Installation zusammengefügt und dann ausgestellt werden. Bereits am 1. August startet eine ähnliche Schau in Rheine, wo „Brandstifter“ zusammen mit Schülern gesucht hat. Für ein Musikprojekt im münsterländischen Ahlen am 30. August will er Zettel vertonen.

Die Fundstücke von Gehsteigen, Wegesrändern oder aus Hecken sagten viel aus über die Befindlichkeiten einer Stadt, sagte „Brandstifter“ am Montag in Bergkamen. „Ich lese die Stadt auf, hebe sie auf.“ Mit seiner Kunst sei er sehr nah dran an den Menschen. Über verlorene Einkaufslisten sieht er etwa, was gerne gekocht wird. Zettel in fremder Sprache verraten, welche Nationalitäten in einem Viertel vertreten sind.

Der Aktionskünstler sammelt seit 1998 Zettel, er hat sich unter anderem schon in New York, Berlin und zuletzt in Indien auf die Suche gemacht. In seinem Archiv lagern Tausende Notizen und Fotos. Derzeit ist er Stipendiat des Künstlerdorfes Schöppingen nahe der holländischen Grenze.

Die Bergkamener „Asphaltbibliotheque“ sei Teil des Kunstprojektes „Stadtbesetzung“, erklärt Kulturdezernent Holger Lachmann. Jeder kann mitmachen und Objekte in „Fundzetteldepots“ werfen, die in der Stadt aufgestellt sind. Und wenn jemand einfach selbst etwas schreibt und abgibt? Solche Zettel könne er leicht erkennen, die würden aussortiert, erklärt der Künstler.

Was steckt hinter den Botschaften, etwa dem Hinweis „Nicht deine Handyhülle auf und zu machen! L.G. Toni“? Darüber soll sich der Betrachter seine eigenen Gedanken machen, sagt „Brandstifter“. Dass sich das Rätsel lösen lässt ist eher selten, aber es kommt vor. Wie beim Erinnerungszettel „LSV-Nikoläuse abholen“, den der 47-Jährige in Mainz gefunden und ausgestellt hat. Eine Schülerin outete sich als Verfasserin. Daher weiß der Künstler inzwischen, das LSV für Landesschülervertretung steht.

Anonym blieb jedoch der Urheber der Botschaft: „Du Trottel, besetzt gleich zwei Parkplätze. Du musst eine Frau sein.“ Der Zettel, der an dem Wagen eines männlichen Freundes des Künstlers steckte, zählt zu den Lieblingsobjekten.

Aber „Brandstifter“ mag auch Botschaften, die von Wind und Wetter verändert wurden. Wie der Geburtstagsgruß an eine Pia aus Bergkamen. Der Ausdruck ist kaum noch zu erkennen, die Buchstaben zerfließen zu einer Art Aquarell. „Sehr gut gefällt mir auch dieser laminierte Zettel“, sagt „Brandstifter“. Zu sehen ist das Bild einer geschnittene Gurke und das Wort „Schlangengurke“. Woher das wohl stammt? „Keine Ahnung“, sagt der Künstler. „Das ist auch nicht wichtig.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.