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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Umstrittener Trend: Die rundumerneuerte Mama

25.10.2016

Berlin Eva Mattern fühlte sich sportlich und schlank - bis zwei Kinder kamen. Bei jeder Schwangerschaft legte die 1,60 Meter große Berlinerin jeweils 24 Kilo zu und behielt davon hinterher viel auf den Hüften. Statt der ursprünglichen 55 wog sie nach den Geburten 75 Kilo. „Ich war so groß wie breit“, erinnert sich die 32-Jährige, die ihren wahren Namen nicht nennen möchte.

Jetzt fühlt die zweifache Mutter sich wieder deutlich attraktiver. Für einen strafferen Bauch, feste Brüste und schlankere Oberschenkel hat die Arzthelferin allerdings tief in die Tasche gegriffen. Rund 10 000 Euro gab sie für Schönheitsoperationen aus und bezahlt den Kredit nun über mehrere Jahre ab.

Die Rundumerneuerung von Müttern auf dem OP-Tisch wird in Deutschland zunehmend unter dem Namen Mommy Makeover bekannt. Zu den Anbietern gehört die Berliner Schönheitschirurgin Mariam Omar. Sie erlebe immer wieder Frauen, die mit ihrem „After Baby Body“ unzufrieden seien, sagt Omar mit Blick auf füllige Rundungen und deutliche Zeichen der Schwerkraft nach der Geburt. „Vor allem junge Frauen, die voll im Leben stehen, stört das“, so die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Für ihr Angebot habe sie die in den USA gängige Bezeichnung Mommy Makeover gewählt, damit sich die Patientinnen besser verstanden und angesprochen fühlen.

Seit einigen Jahren werde in den Medien verstärkt über den Trend berichtet, sagt Kerstin van Ark, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Ihn auch mit Zahlen zu belegen, sei allerdings schwierig, da Schönheitsoperationen statistisch einzeln erfasst würden und nicht als Pakete, wie beim Mommy Makeover oft üblich. Auch die Gründe für die Eingriffe würden nicht erfasst.

Es sei ein allgemeiner Trend, Zeichen des Alterns oder einer unguten Lebensweise möglichst zu entfernen, sagt die Berliner Psychologin Ada Borkenhagen. In diese Entwicklung gehöre auch das Mommy Makeover. Das körperliche Aussehen sei in den letzten 50 Jahren für viele Menschen sehr viel wichtiger geworden. „Ein schlanker Körper gehört heute zu den Insignien der Mittelschicht“, so die Expertin. Der Großteil derjenigen, die sich operieren lassen, sei auch psychisch nicht auffälliger als andere Menschen. „Wenn es keine Komplikationen gibt und der Eingriff handwerklich gut gemacht ist, sind die Menschen in der Regel auch glücklicher und zufriedener als vorher“, sagt Borkenhagen.

Das Problematische sei, dass der Druck zunehme. „Ein schlanker Körper wird zunehmend sozial gefordert. Wenn Models wie Heidi Klum nach vier Wochen wieder ihren Model-Körper haben, dann übt das auf Frauen einen wahnsinnigen Druck aus, das auch zu erreichen“, so Borkenhagen. Mariam Omar betont unterdessen, dass sie aus ihren Patientinnen keine Models machen wolle: „Wir erfinden den Körper nicht neu, sondern wollen ihn so chirurgisch formen wie er vor der Schwangerschaft war“, betont die Ärztin.

„Frauen sollen nicht nur ein paar Wochen nach der Geburt möglichst wieder arbeiten, sondern nun auch noch schlank und schön sein. Das ist ganz schön viel verlangt“, meint Susanne Steppat vom Deutschen Hebammenverband. Aus ihrer Sicht ist das Mommy Makeover zu eindimensional. „Es klingt, als ob man Spuren einer Schwangerschaft operativ tilgen könnte, auch im Inneren verändert sich durch die hormonelle Umstellung viel. Dieses Makeover arbeitet nur an der Oberfläche“, so die Hebamme. Viele Muskeln seien auch in der Stillzeit noch sehr weich. „Dass deshalb über den Körper oft von “schlapp“ und „schlaff“ statt von „weich“ und „verändert“ gesprochen wird, halte ich für bedenklich“, so Steppat.

Die Münchner Fitnesstrainerin Jana Wetterau Kliebisch ist überzeugt davon, dass man sich nicht unters Messer legen muss. „Mit Sport und gesunder Ernährung kann man auf jeden Fall zu seiner alten Figur wieder zurückkommen. Bewegung ist alles“, sagt die Gründerin von Buggyfit, einem Anbieter von Fitnesskursen für Mütter. Die gelernte Physiotherapeutin beobachtet auch, dass immer mehr Frauen sich nach der Schwangerschaft wieder attraktiv und sexy fühlen wollen. „Man will nicht nur die Mama sein, die am Herd steht“, so die Trainerin.

Eva Mattern hatte zunächst keine Zeit für Sport. „Der ständige Schlafmangel und Mamastress haben mich abgehalten“, erinnert sie sich. Deshalb sei für sie die OP die bessere Lösung gewesen. Mittlerweile gehe sie einmal die Woche ins Fitnessstudio, um ihre Figur zu halten.

Für viele Frauen sei der Gang zum Schönheitschirurgen oft der letzte Schritt, beobachtet Simone Preiß, Oberärztin der Klinik für Plastische, Brust- und Ästhetische Chirurgie des Städtischen Klinikums Dresden Neustadt. „Die meisten Frauen machen zunächst ganz viel Sport“. Doch manche Dinge ließen sich auch dadurch nicht korrigieren, wie etwa eine sehr schlaffe Bauchdecke oder erschlaffte Brüste bei einer so genannten Involutionsatrophie. „Manchmal sieht das wirklich nicht mehr schön aus“, so die Ärztin.

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