DIJON -
Eine offenbar geistesgestörte Frau verletzte den Protestanten während des Gebets. Bestürzung beim Weltjugendtag.
DIJON/DPA - Vor den Augen entsetzter Gläubiger ist der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère Roger, von einer offenbar geistesgestörten Frau erstochen worden. Die 36-jährige Rumänin habe sich während des Abendgebets am Dienstag an den 90-jährigen Geistlichen herangeschlichen und ihm drei tödliche Messerstiche in den Rücken versetzt, teilte die Polizei in dem burgundischen Dorf bei Dijon mit. Nach der Tat habe sie sich widerstandslos festnehmen lassen.Die Nachricht vom Tod Rogers überschattete den Weltjugendtag in Köln. Kardinäle und viele Gläubige gedachten des Geistlichen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, nannte es eine „unbegreifliche Tat“. Er würdigte Roger als einen Mann, der sein Leben der Botschaft Jesu von der Versöhnung aller Menschen gewidmet habe. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner sagte: „Gerade er, auf den die Seligpreisung zutrifft: „Selig, die Frieden stiften“, ist durch einen gewaltsamen Tod aus dem Leben geschieden.“ „Er gehört zu den großen christlichen Persönlichkeiten, an denen sich junge Menschen orientiert haben. Er steht in einer Reihe mit Papst Johannes Paul II. und Mutter Teresa“, sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Knuth Erbe, am Mittwoch in Düsseldorf.
Nachfolger Rogers als Oberhaupt von Taizé wird der deutsche Katholik Bruder Alois (51) aus Stuttgart, der seit 32 Jahren zur Gemeinschaft von Taizé gehört. Er kehrte vom Weltjugendtag sofort nach Taizé zurück. Roger hatte ihn bereits vor acht Jahren zu seinem Nachfolger ernannt.
In Taizé sind zur Zeit rund 2500 Jugendliche aus aller Welt versammelt. „Sie hat einen Schrei ausgestoßen und hat sich auf ihn geworfen. Es war furchtbar. Frère Roger war von vielen Jugendlichen umringt, und alle haben angefangen zu schreien“, schilderte ein 18-jähriger Spanier die Szene. Trotz schneller Erster Hilfe sei Frère Roger innerhalb weniger Minuten seinen schweren Verletzungen erlegen.
In Frankreich und international war Bruder Roger wegen seiner ideologiefreien Lebenseinstellung besonders bei Jugendlichen hochangesehen. Der Protestant Roger Schutz hatte sein Leben der Zusammenführung aller Christen gewidmet. Im August 1940 war der Schweizer als 25-Jähriger nach Frankreich aufgebrochen, um eine Gemeinschaft Gleichgesinnter zu gründen. Diese entstand in Taizé. Zehntausende Jugendliche aus ganz Europa pilgern jedes Jahr dorthin zu Jugendtreffen.
