Krefeld - Nach einem Großbrand in einer Düngemittelfabrik in Krefeld ist eine riesige Rauchwolke stundenlang über Teile von Nordrhein-Westfalen gezogen. Die kilometerweit sichtbare Wolke wurde am Dienstag vom Wind in Richtung Ruhrgebiet getrieben. In mehreren Städten wurden die Menschen aufgerufen, Fenster und Türen zu schließen. Kitas und Schulen sollten die Kinder nicht ins Freie lassen. Nach ersten Messungen des Landesumweltamts (Lanuv) bestand aber keine Gesundheitsgefahr.
Die Brandursache ist noch unklar. Die Ermittler gehen nicht von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Ein Sprecher der Stadt Krefeld sprach von vier Leichtverletzten.
Die Rauchentwicklung war zeitweise so stark, dass die Schifffahrt auf dem Rhein zwischen Duisburg und Düsseldorf gestoppt werden musste. Eine Brücke wurde gesperrt. Am Düsseldorfer Flughafen erhielten startende Jets eine Ausweichroute.
Die Stickoxid-Werte hätten unter der Nachweisgrenze gelegen, sagte ein Lanuv-Sprecher. Auch die gemessene Ammoniak-Konzentration sei ungefährlich für Menschen. Die Städte Duisburg, Essen und Mülheim hoben daraufhin ihre Warnungen auf.
In der Fabrik war am frühen Morgen ein Lager mit insgesamt 33 000 Tonnen Rohstoffen und Fertigprodukten in Brand geraten. Die etwa 180 mal 250 Meter große Halle wurde komplett zerstört.
Der Wind hatte die Rauchwolke nach Norden in Richtung Duisburg getrieben. Der Stadtteil Mündelheim war zeitweise von beißendem Rauch eingehüllt. „Man kann kaum atmen, es stinkt nach Rauch, die Sicht ist schlecht. Die Häuser versinken in einer blauen Rauchwolke“, berichtete eine Augenzeugin. Sirenen warnten vor möglichen Gefahren durch die Rauchgase. Aufgeschreckt durch die kilometerweit sichtbare Wolke trugen japanische Schüler im Düsseldorfer Norden auf dem Weg zur Schule bereits weiße Atemschutzmasken.
Bei den in der ausgebrannten Halle gelagerten Stoffen komme es bei Hitzeeinfluss zu einer sogenannten Schwelzersetzung der Dünger, bei der Nitrose-Gase freigesetzt werden, teilte der Betreiber des Krefelder Werks, die Firma Compo, mit. Bei hoher Konzentration seien diese Gase giftig. Ein Firmensprecher verwies auf die Messergebnisse der Feuerwehren in Duisburg und Krefeld: „Die zulässigen Grenzwerte wurden nicht überschritten.“
Der Brand war um 7.10 Uhr ausgebrochen. Knapp drei Stunden später seien die Flammen unter Kontrolle gewesen; die Löscharbeiten werden laut Feuerwehr aber noch bis Mittwoch dauern. Rund 300 Feuerwehrleute waren im Einsatz.
