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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Coronavirus: Das Wichtigste zur Ansteckungsgefahr

27.02.2020

Düsseldorf /Varel Nach dem Bekanntwerden von neuen Infektions-Nachweisen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 ist die Hoffnung geschwunden, die Lungenerkrankung aus Deutschland fernzuhalten. Das müssen sie wissen:

Wie sieht es momentan in Deutschland aus?

In Deutschland wurden seit Dienstag neun Fälle bekannt. Ein Patient in NRW wurde in kritischem Zustand in die Uniklinik Düsseldorf gebracht, auch bei seiner Frau und zwei Bekannten wurde der Erreger bestätigt. Nachgewiesen wurde er auch bei vier Personen aus Baden-Württemberg und einem Soldaten in Rheinland-Pfalz.

Wie hoch ist die Gefahr einer Ausbreitung?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) müsse mit einem weiteren Import von Fällen nach Deutschland gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen von Sars-CoV-2, Infektionsketten und Ausbrüche im Land seien möglich. Lokale Infektionen könnten dabei zunächst unerkannt bleiben, sagte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade. Man müsse damit rechnen, dass es dadurch zu einer weiteren Ausbreitung komme.

Was würde ein größerer Ausbruch in Deutschland für das Gesundheitssystem bedeuten??

Eine Infektionswelle hierzulande könnte unter anderem volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und vollkommen überlastete Gesundheitsämter bedeuten, hatte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzlich erklärt. Aus diesem Grund sei es das Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus möglichst hinauszuzögern, wie das Robert Koch-Institut (RKI) kürzlich erklärte. „Wir müssen mit angemessenem Aufwand versuchen, die Ausbreitung zu verlangsamen, um einen intensiven Belastungspuls auf das Gesundheitssystem abzumildern“, sagte Drosten. „Die Zahl der Infektionen sollte über eine möglichst lange Zeit ausgedehnt werden.“

Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Ein Wert, wie viele andere Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt, lässt sich noch immer nicht gesichert angeben. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Virus auch über das Verdauungssystem und zumindest einige Tage über Oberflächen verbreitet werden kann. Ein bisher unterschätztes Risiko sei womöglich, dass in Stuhlproben von Patienten in der Initialphase einer Covid-19-Erkrankung „durchaus relevante Mengen“ von Sars-CoV-2 nachweisbar seien, hatte etwa Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, erklärt.

Welche Symptome verursacht das Coronavirus?

Die meisten Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Nach Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörde komme es bei mehr als 80 Prozent der Infizierten zu milden Infektionsverläufen, knapp 14 Prozent erkranken schwer. Bei knapp fünf Prozent komme es zu lebensbedrohlichen Auswirkungen wie Atemstillstand, septischem Schock oder Multiorganversagen. Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – beträgt nach derzeitigem Stand meist 2 bis 14 Tage.

Wie lässt sich die Lungenkrankheit behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Corona-Erkrankung gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. In Einzelfällen werden auch antivirale Medikamente getestet. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen, wie es sie auch für die Grippe gibt. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt aber viel Zeit in Anspruch. WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan glaubt, dass erste Impfstoff-Tests an Menschen in drei bis vier Monaten beginnen könnten. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung.

Wie kann ich mich sonst schützen?

Zum Schutz vor diesem wie auch anderen Viren empfehlen Experten gewöhnliche Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen, Desinfektionsmittel und Abstand zu Erkrankten. Den Nutzen von normalen Atemmasken – wie derzeit in China und anderen Ländern überall auf den Straßen zu sehen – schätzen Experten als eher gering ein. Helfen kann es, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen.

Kann ich mich anstecken, wenn ich ein Paket aus Risikogebieten bekomme?

Es sei derzeit noch ziemlich unklar, wie lange das Virus auf Oberflächen überlebt, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Studien legten nahe, dass es Stunden oder Tage seien – abhängig von Bedingungen wie Oberfläche, Temperatur oder Feuchtigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter Waren mit dem Virus verunreinigt, stuft die Behörde als gering ein. Auch das Risiko, dass sich ein Empfänger über ein Paket ansteckt, sei gering.

Was tue ich bei einer eventuellen Ansteckung ?

Wer Kontakt zu einem Infizierten hatte oder nach einer Reise in ein Risikogebiet Grippe-Symptome hat, sollte den Hausarzt anrufen. Bei begründetem Verdacht schaltet dieser dann das Gesundheitsamt ein, das alles weitere koordiniert. Auf keinen Fall sollen mögliche Infizierte Arztpraxen aufsuchen, so der stellvertretende Vorsitzende des niedersächsischen Hausärzteverbandes, Jens Wagenknecht aus Varel.

NWZonline.de/gesundheit
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