Belgrad/Prag - Das verheerende Hochwasser auf dem Balkan hat Dutzende Menschen in Serbien und Bosnien-Herzegowina in den Tod gerissen. Zehntausende Menschen flohen vor den Wassermassen. Allein in der nordbosnischen Stadt Doboj brachten Einsatzkräfte bis Sonntag 20 Opfer in die städtische Leichenhalle, wie Bürgermeister Obren Petrovic sagte. Im serbischen Obrenovac nahe Belgrad bargen Helfer zwölf Leichen.

Unter anderem der Fluss Sava war nach tagelangen Regenfällen extrem angeschwollen. Nach mehr als zwei Tagen drangen Rettungskräfte in die bosnische Stadt Samac vor. „Das ist die totale Verwüstung, es sieht vom Hubschrauber wie ein Meer aus“, sagte Bürgermeister Savo Minic der Nachrichtenagentur Fena. Zwei Menschen seien tot, zwei weitere würden noch vermisst. Die Evakuierung verlaufe chaotisch.

Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vucic bezeichnete die Lage in Obrenovac als katastrophal und äußerte die Befürchtung, die Zahl der Toten könne weiter steigen. Mehr als 4000 der 30 000 Einwohner wurden aus der Stadt evakuiert. In den Städten Sabac, Mitrovica und Kostolac sei die Hochwasserlage unter Kontrolle, teilten die Einsatzkräfte mit.

In Kroatien starb ein Mann in einem zusammenbrechenden Haus. Die Tageszeitung „Vecernji List“ berichtete, nur wenige Minuten zuvor sei eine Frau aus dem Haus gerettet worden.

In Bosnien und Serbien stieg die Gefahr von Erdrutschen. Schlammlawinen zerstörten am Sonnabend nach Angaben der bosnischen Behörden das Dorf Olovo und machten acht Hauptstraßen unbefahrbar. Im Westen von Serbien zerstörten Erdrutsche Dutzende Häuser in Krupanj und umliegenden Dörfern.

In Bosnien-Herzegowina kommt noch eine zusätzliche Gefahr hinzu: Zehntausende Minen aus dem Krieg in den 1990er Jahren. Vor dem Hochwasser waren noch 120 000 Minen in markierten Minenfeldern vergraben. Es wird befürchtet, dass sie vom Hochwasser weggespült werden könnten. Etliche Minen sind bereits explodiert.

In Tschechien schien derweil die Hochwasser-Gefahr gebannt. In Spindlermühle im Riesengebirge, wo an der Elbe in der Nacht auf Sonntag noch die höchste Alarmstufe ausgerufen wurde, gingen die Pegelstände allmählich zurück. Auch in den südpolnischen Hochwassergebieten besserte sich die Situation an der Weichsel und ihren Zuflüssen.