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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Notarzt: „Die Kinder haben geschrien“

17.01.2018

Eberbach Eine Kehrmaschine fegt brummend Scherben an die Bordsteinränder, das Blaulicht der Rettungswagen spiegelt sich auf regennassem Asphalt. Gerade ist hier in Eberbach östlich von Heidelberg ein Schulbus in die Hauswand eines Elektrofachgeschäftes gekracht. Der Inhaber des Geschäfts steht in einem Trümmerfeld aus heruntergerissenen Regalen, Elektrogeräten und den Resten seiner Hauswand. „Einfach furchtbar“, sagt er und schaut durch das mannsbreite Loch im Laden. „Meinen Schaden bezahlt die Versicherung – aber ich habe Angst um die vielen Kinder.“

Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Unfall Dutzende Kinder zwischen 9 und 15 Jahren verletzt, sechs von ihnen schwer. „Wir können nicht ausschließen, dass sie in Lebensgefahr schweben“, sagt Patrick Schottmüller, Leitender Notarzt Rhein-Neckar. Er sei kurz nach dem ersten Notarzt am Ort gewesen. „Die Kinder haben geschrien, es war ganz schlimm“, sagt er. Viele seien in der Dunkelheit und im Regen auf die Straße gelaufen, einige seien von Anwohnern erstversorgt worden und hätten Unterschlupf gesucht, beschreibt er die Eindrücke. Insgesamt wurden bei dem Unfall am Dienstagmorgen 44 Menschen verletzt.

Die leichtverletzten Schulkinder seien in zwei bereitgestellten Linienbussen ins Krankenhaus gebracht worden. „Zum Glück steht das nur 500 Meter Luftlinie vom Unfallort entfernt, sonst wäre es mit der Versorgung sehr eng geworden.“ Seinen Angaben zufolge habe das Krankenhaus Großalarm ausgelöst, Geplante Operationen wurden abgesagt und Mitarbeiter aus der Freizeit geholt. Drei Rettungshubschrauber verteilten zudem Schwerverletzte in Klinken nach Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Mehr als 180 Einsatzkräfte seien im Einsatz gewesen, sagt Schottmüller.

Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert steht der Schreck ins Gesicht geschrieben. Er nennt die Arbeit der Rettungskräfte außergewöhnlich. „Jetzt sind meine Gedanken bei den Kindern und ihren Angehörigen“, sagte er. „Ich hoffe, dass alles ein gutes Ende nimmt.“ Polizeisprecher Markus Winter zufolge werden die Ermittlungen einige Zeit dauern. Bislang sei nur geklärt, dass der Bus in einer leichten Linkskurve von der Straße abkam, und vor dem Zusammenprall mit der Hausfassade noch in einen Kleintransporter und zwei weitere Autos krachte. „Auch der Fahrer des Transporters wurde verletzt, ebenso der Busfahrer“, sagt Winter. Dieser sei ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht worden, aber außer Lebensgefahr. Ob der Mann bereits vernommen wurde, weiß er nicht.

Ein Gutachter soll nun klären, wie es zum Unfall kommen konnte. Der Bus sei mit einem digitalen Kontrollgerät ausgestattet gewesen, das noch ausgewertet werden soll. Einigen Kindern zufolge soll es vor dem Aufprall ein lautes Brummen gegeben haben – das wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Für die Angehörigen richtete die Stadt ein Sammelzentrum bei den örtlichen Stadtwerken ein, 17 Seelsorger kümmerten sich um ihre Betreuung.

An der Abholstation stapeln sich Mobiltelefone und Regenschirme. Leichtverletzte sind zu sehen, mit Beulen und Schrammen im Gesicht und mit bandagierten Händen. „Ich fühle mich, als sei ein Panzer über mich gefahren“, sagt eine Mutter.

Bereits am späten Morgen laufen einige Eltern mit ihren Kindern an den Händen aufs Gelände, um liegengelassene Kleider, darunter ein einzelner Schuh, oder Rucksäcke abzuholen. Auch Julia ist mit ihrem Vater gekommen, nach Sprechen ist dem Mädchen nicht zumute. Es will nur seinen Ranzen holen – und dann schnell nach Hause.

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