Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Extreme Hitzewelle In Griechenland Ein Stöhnen und Platschen

Alexia Angelopoulou

Athen - Als ob man bei 200 Grad Umluft den Kopf in einen Backofen steckt - so fühlt sich in Athen der erste Schritt auf die Straße an. Der Asphalt flimmert, das Atmen fällt schwer, die Luft brennt auf der Haut und der Körper weicht instinktiv zurück. Schon am frühen Morgen liegt die Temperatur bei über 30 Grad, in den Mittagsstunden steigt sie mancherorts auf über 45 Grad. Die Superhitze aus Afrika, auf griechisch „Kávsonas“ genannt, sucht das Land ungefähr alle zehn Jahre heim. Am Montag soll sie vorbei sein - was bleibt, ist die stark erhöhte Gefahr für Waldbrände.

Wie gelähmt schleichen die Touristen über den Syntagma-Platz im Athener Stadtzentrum. Manche schützen sich mit Regenschirmen vor der stechenden Sonne, andere tragen wagenradgroße Sonnenhüte. Am härtesten im Nehmen sind offenbar die Briten. Steve aus Brighton bestellt schnell noch ein Bier, bevor er sich seines T-Shirts entledigt. „Ist doch großartig, wegen des Wetters bin ich doch hier!“, erklärt er.

Griechen sind am Syntagma schon längst nicht mehr anzutreffen - bei der Hitze ohne gewichtigen Anlass das Haus zu verlassen, kommt ihnen absurd vor. Wer konnte, hat die Hauptstadt übers Wochenende Richtung Meer verlassen. Auch an den Stadtstränden Athens suchen die Menschen bereits in den frühen Morgenstunden nach Abkühlung. Bis mittags muss der Sprung ins Wasser erledigt sein, danach ist es einfach nur noch gefährlich, sich draußen aufzuhalten, nicht zuletzt wegen der stark überhöhten Ozon-Werte.

1987 starben 4000 Menschen den Hitzetod

Dennoch nimmt sich der diesjährige, viertägige „Kávsonas“ im Vergleich noch zahm aus. Im Jahr 1987 starben beim selben Wetter-Phänomen in Griechenland geschätzte 4000 Menschen. Zehn Tage währte die Hitzehölle damals, zu einer Zeit, als Klimaanlagen noch als seltener Luxus galten. Stadtwohnungen wurden zur Todesfalle - Kliniken und Leichenhallen waren bald überfüllt, vor allem ältere und kranke Menschen zählten zu den Opfern.

Heute ist man besser vorbereitet. Schon im Voraus veranlasste die Athener Stadtverwaltung, dass klimatisierte Gemeindehallen tagsüber für Schutzsuchende geöffnet sind. Notrufnummern wurden eingerichtet, um Alleinstehenden Hilfe zu bieten. Per Radio, Fernsehen und Internet wurde über Maßnahmen informiert: Viel trinken, leichte Kleidung tragen, körperliche Arbeit sowie Alkohol vermeiden.

Appelle ergehen außerdem an die Menschen im ganzen Land, sich um die Tiere zu kümmern. Für Streuner hat die Stadt Athen 35 Wasserstellen eingerichtet, viele Bewohner stellen zudem Wasserschalen für Katzen und Hunde auf. Nicht einmal zwei Minuten dürfe man seinen Hund bei solcher Hitze im Auto lassen, warnen Tierschützer.

Hitze ist auch für Tiere eine Gefahr

Und auch wer sein Tier vornehmlich auf dem Balkon hält, sollte es hereinholen, um es vor der Hitze zu schützen. „Mir haben sie morgens schon ein dehydriertes Kätzchen gebracht - das hatten sie in der Wohnung, allerdings ohne Air Condition“, sagt die Athener Tierärztin Vaia Lytra. „Wir konnten es retten. Aber wer sein Tier bei diesen Temperaturen auf dem Balkon hält, kommt gar nicht mehr zu mir, denn der findet es früher oder später tot auf.“

Die höchste Temperatur landesweit herrschte zwischenzeitlich mit 45,3 Grad in Elefsina, rund 30 Kilometer nordwestlich von Athen. Ausgerechnet dort, wo Löschflugzeuge stationiert sind, die im Sommer gegen Waldbrände ankämpfen. Wegen der Hitze wurde die Flotte zu anderen Flughäfen verlegt, denn die Feuerwehrleute müssen einsatzbereit sein: Für viele Regionen des Landes gilt wegen des extremen Wetters die höchste Warnstufe für Brandgefahr, mehrere Brände sind bereits ausgebrochen.

Selbst auf griechischen Inseln wie Santorin oder Mykonos gibt es kein Entkommen. Die tief dunkelrote, stellenweise sogar lilafarbene Wetterkarte wird den Griechen und den Touristen noch bis zu diesem Montag erhalten bleiben - dann soll die Temperatur schlagartig um zehn Grad auf schlappe 35 Grad sinken. Bis dahin jedoch werden sich tagsüber weiterhin nur Touristen auf die Straßen trauen. Lediglich auf die Akropolis können sie nicht unbegrenzt kraxeln: Zum Schutz der Angestellten und auch der Touristen selbst bleibt das Wahrzeichen Athens ab 15 Uhr wegen Hitze geschlossen.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden
Mit Video
Nach der Sprengung inspizierten Midgard-Beschäftigte die Überreste der Verladebrücke.

KRANSPRENGUNG IN NORDENHAM Koloss aus Stahl fällt in 15 Sekunden zusammen

Norbert Hartfil
Nordenham