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Sorgerechtsstreit: Entführte Jungen zurück in Deutschland

05.05.2011

ROM Sie sind wieder bei ihrem Vater in Deutschland, die beiden Jungen Nicolo (8) und Leonardo (12), die von ihrer mailändischen Mutter Marinella Colombo entführt worden waren. Durch abgehörte Telefon­gespräche fand die italienische Polizei nun das Versteck der Kinder heraus. Die Mutter, die sich in vielen Fernsehsendungen und in Zeitungsartikeln als wahre „la Mamma“ profilierte, hatte die Kinder nach Slowenien verschleppt, wollte sich offenbar mit ihnen in den Libanon absetzen.

Aus Sorge, dass die Polizei das Versteck durch Besuche Colombos herausfindet, ließ sie die Kinder ein Jahr lang alleine. Ein langes Jahr, in dem ihr Ex-Mann Tobias Ritter, der das alleinige Sorgerecht hat, mit allen juristischen Mitteln um das Auffinden und die Rückkehr seiner Jungen kämpfte. Das Sorgerecht hatte er letztlich zugesprochen bekommen, weil das Gericht der Auffassung war, dass die Mutter die Kinder zu intensiv an sich bindet.

Der Fall erregte über Monate großes Aufsehen in Italien. Die promovierte Philologin, die sechs Sprachen spricht, ließ keine Gelegenheit aus, die deutschen Behörden, vor allem das Jugendamt, in Verruf zu bringen. Die Institution sei in der Nazizeit gegründet, verkündete sie im Fernsehen und erklärte: „In Deutschland gehören die Kinder dem Staat.“ Behörden würden einseitig entscheiden, im Zweifelsfall Akten fälschen, behauptete sie – und hatte die italienischen Medien auf ihrer Seite.

Wegen der Entführung nahmen die italienischen Behörden die Mutter einen Tag in Haft, weil von einem deutschen Gericht ein internationaler Haftbefehl vorlag. Doch gegen das deutsche Urteil, dass die Söhne zurück zum Vater gebracht werden sollten, legte Marinella Colombo Revision beim Mailänder Gericht ein. Der Sturm der medialen Entrüstung über Deutschland legte sich erst, als das italienische Gericht das deutsche Urteil bestätigte und das deutsche Rechtsverfahren als „vertieft, ausgeglichen und richtig“ beurteilte. Das war Ende vergangenen Jahres. Die beiden Kinder aber blieben verschwunden.

Jetzt wartet auf die resolute Mutter in Italien ein Prozess wegen Misshandlung, Menschenraubs und Kindesentziehung.

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