Kapstadt - Für die Ebola-Epidemie in Westafrika gab es nach Überzeugung von Wissenschaftlern nur einen Ursprungsort: Im Dschungeldorf Meliandou in Guinea sei das Virus von Flughunden auf ein Kind übertragen worden. Die Verschwörungstheorien rings um den bislang schlimmsten Ebola-Ausbruch der Geschichte kommen hingegen aus vielen Orten der Welt. In Online-Foren und Zeitungsartikeln verbreiten sie sich über das Internet noch viel schneller als das Virus unter den Menschen in Westafrika.
„Ich weiß nicht... Aber ich denke, diese Ebola-Epidemie ist eine Form der Bevölkerungskontrolle“, twitterte US-Hip-Hop-Star Chris Brown. Wasser auf die Mühlen jener, die – ähnlich wie schon beim Aids-Erreger HIV – finstere Mächte am Wirken sehen.
Eine der abenteuerlichsten Spekulationen wurde in Liberias Hauptstadt Monrovia verbreitet – in jenem Land, das am schlimmsten von der Epidemie betroffen ist. Ebola sei eine Art Biowaffe, erklärte Cyril Broderick, Gastdozent der amerikanischen Delaware State University, im „The Daily Observer“. Entwickelt im Auftrag des US-Militärs, sei das Virus nach Afrika gebracht worden, um seine Wirkung zu testen, behauptete er. In Sierra Leone würden die USA ein geheimes Labor zur Virusforschung betreiben. Inspiriert hätte ihn, räumte er freimütig ein, Horror-Autor Stephen King. „Dies ist genau die Art von Veröffentlichung, die unserem Kampf gegen Ebola mehr schadet als nützt“, erboste sich Lamii Kpargoi vom Liberia Media Center.
Als Medium für Horrorgeschichten ist auch der „Buschfunk“ geeignet. Eine, die in Liberia, Sierra Leone und Guinea auf diese Weise die Runde machte, geht so: Unsere Regierung hat die Ebola-Stationen eingerichtet, um Geld zu scheffeln. Dort werden Patienten getötet, damit man ihre Organe ins Ausland verkaufen kann.
In westlichen Gesellschaften hält sich der Schaden solcher Verschwörungstheorien in Grenzen. In den stark von Aberglauben geprägten Gesellschaften Westafrikas bürden sie humanitären Helfern zusätzliche Lasten auf.
