Ludwigsfelde - Seit knapp neun Monaten ist Ex-Bürgermeister Heinrich Scholl nicht mehr in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) zu sehen. Der 69-Jährige sitzt in Untersuchungshaft, weil er seine Frau Brigitte (67) erdrosselt haben soll. Seine Verhaftung am 25. Januar hat die Einwohner der Gemeinde schockiert und ratlos zurückgelassen – galt der SPD-Politiker doch als Ehrenmann und Macher der Region. Die Menschen in Ludwigsfelde suchen nach einem Motiv für das Verbrechen.

Vor dem Landgericht Potsdam soll der Fall nun geklärt werden. Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen Scholl – ein Indizienprozess, denn er bestreitet die Tat. Das Gericht hat sich auf zahlreiche Zuschauer eingestellt, berichtet Sprecher Ralf-Dietrich Schulz.

Das große Interesse wird für einen Menschen zusätzlich belastend sein: Scholl junior. Der 48 Jahre alte Sohn des Paares ist Nebenkläger. „Er möchte sich ein eigenes Bild machen. Dafür braucht er Einblick in die Akten“, erklärt sein Anwalt Sven Rasehorn. Als Sohn der Ermordeten erhält der Familienvater zunächst nicht mehr Informationen als Außenstehende auch.

Scholl junior hat seinen Vater in der Untersuchungshaft besucht. Er kümmert sich um organisatorische Dinge, wie beispielsweise die Betreuung des Elternhauses. Er selbst lebt mit seiner Familie einige hundert Kilometer entfernt von Ludwigsfelde. Er muss den Verlust der Mutter verkraften. Zugleich versucht er sich zu erinnern, wie sich der Vater in den Tagen nach dem Mord bis zu seiner Verhaftung verhalten hat. Ob ihm Widersprüche aufgefallen sind.

Scholl bestreitet die Tat vehement. Per Annonce suchte er nach Zeugen, die ihn in einer Therme gesehen haben und entlasten könnten. Eine recht einzigartige, bislang aber auch erfolglose Aktion. Ob er vor Gericht aussagen wird, bleibt abzuwarten. „Das wird man sehen“, so sein Anwalt Stefan König aus Berlin. Gemeinsam mit der Potsdamer Juristin Heide Sandkuhl wird er Scholl verteidigen. Das Duo hatte zuletzt den Hotelier Axel Hilpert vertreten, der im vergangenen Juni wegen Millionenbetrugs verurteilt worden war.

Das Landgericht Potsdam hat zunächst 29 Verhandlungstage eingeplant. Am 28. Februar 2013 könnte das Urteil gesprochen werden.