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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Exzentrischer „Playboy“ Rama X. besteigt den Thron

02.12.2016

Bangkok /frankfurt Am Main Die erste Äußerung des thailändischen Kronprinzen nach dem Tode König Bhumibols ließ viele stutzen: Er wolle sich nicht sofort zum neuen Monarchen ausrufen lassen, sondern zunächst mit dem Volk trauern, ließ er über Juntachef Prayuth Chan-ocha ausrichten. Das sorgte für Spekulationen über einen Machtkampf hinter den Kulissen. Die Frage, ob Vajiralongkorn überhaupt den Thron besteigen würde, machte die Runde. Jetzt aber steht fest, dass er als König Rama X. den Vater beerbt.

Maha Vajiralongkorn wurde am 28. Juli 1952 in Bangkok geboren und im Alter von 20 Jahren vom Vater zum Nachfolger ernannt. Er ist das zweite Kind Bhumibols und Königin Sirikits, hat drei Schwestern. Unter anderem besuchte er Privatschulen in Großbritannien und Australien und absolvierte eine Militär- sowie eine Pilotenausbildung. Wie für thailändische Männer üblich, lebte auch Vajiralongkorn zwischenzeitlich als buddhistischer Mönch.

An die Popularität seines Vaters Bhumibol reicht er bei weitem nicht heran. Ganz im Gegenteil: Vajiralongkorn gilt als verhasst. Wegen des drakonischen „Gesetzes gegen Majestätsbeleidigung“ darf dies aber niemand öffentlich äußern. Selbst unter Ultra-Royalisten ist der neue König heftig umstritten. So ist der einstige Premier und Ex-General Prem Tinsulanonda, der bis vor kurzem Vorsitzender des Kronrates war und nach dem Tode Bhumibols als Interimsregent benannt wurde, als erbitterter Gegner Vajiralongkorns bekannt: Laut von „WikiLeaks“ veröffentlichten US-Dokumenten hat der 96-Jährige in vertrautem Kreis keinen Hehl daraus gemacht. Innerhalb des konservativen Establishments, so heißt es, sähen viele lieber die angesehenere Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn auf dem Thron.

Grund dafür ist vor allem der exzentrische Lebensstil Vajiralongkorns (64), den selbst seine Mutter als „Don Juan“ bezeichnet hat und von dem es heißt, er verbringe seine Zeit lieber in München und Umgebung als mit königlichen Pflichten in Thailand. Der dreifach geschiedene Lebemann, der kürzlich am Münchner Flughafen mit bauchfreiem T-Shirt und Tattoos abgelichtet wurde und eine Villa am Starnberger See sein eigen nennt, hat sieben Kinder aus diesen Ehen. Aus der aktuellen Beziehung mit einer ehemaligen „Thai Airways“-Stewardess und Angehörigen seiner Leibgarde hat er laut Medienberichten einen weiteren Sohn.

Vajiralongkorn steht nicht nur auf Frauen, schnelle Autos und das Jet-Set-Leben, sondern fällt auch mit bizarrer Tierliebe auf. Sein 2015 verstorbener Pudel „Foo Foo“ trug den Titel eines „Luftmarschalls“. Als Staatsoberhaupt eines überwiegend buddhistischen Landes wäre Vajiralongkorn zu Moral und Selbstdisziplin verpflichtet – von beidem zeigt er sich weit entfernt.

Zudem wurden ihm Kontakte zum 2006 gestürzten Ex-Premier Thaksin Shinawatra nachgesagt, der im ultra-royalistischen Lager als Erzfeind betrachtet wird. Der Populist Thaksin, dessen Parteien alle Parlamentswahlen seit 2001 gewonnen hatten, soll Vajiralongkorns Spielschulden beglichen und ihm einen Luxuswagen geschenkt haben.

Nach der Scheidung von Ehefrau Nummer drei Ende 2014 wurde bekannt, dass Familienangehörige der Ex-Frau verhaftet und der Korruption und Majestätsbeleidigung beschuldigt wurden. Zudem starben einige einstige Vertraute des Kronprinzen unter mysteriösen Umständen in Militärgewahrsam.

Die Junta, welche die Regierung von Thaksins Schwester Yingluck Shinawatra im Mai 2014 aus dem Amt putschte und sich als Wächterin der Monarchie geriert, hat sich mit dem unpopulären Thronfolger arrangiert. Entsprechend ist das Regime um Vajiralongkorns Image bemüht.

Bei einem von der Armee initiierten Massen-Fahrradkorso im August vergangenen Jahres radelte der Kronprinz unter anderem mit Juntachef Prayuth zu Ehren des Geburtstags der Königin. Ähnlich war es im Dezember 2015 beim Geburtstag Bhumibols. Beide PR-Spektakel sollten signalisieren: Das Establishment steht hinter Vajiralongkorn.

Zugleich ist Thailands Machthabern bewusst, dass sich mit ihm als Monarchen der Mythos eines „Vaters der Nation“ nicht mehr aufrecht erhalten lässt. Es ist daher zu erwarten, dass die Militärs das seit Jahren missbrauchte „Gesetz gegen Majestätsbeleidigung“ künftig noch unerbittlicher anwenden.

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