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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Falscher Verdacht gegen Putzfrau

19.01.2013

Stockholm Wohl nach dem Motto „Haltet den Dieb“ haben schwedische Bahnbetreiber fälschlicherweise eine Putzfrau für die Irrfahrt einer Vorort-Bahn frontal in ein Wohnhaus verantwortlich gemacht. Drei Tage nach dem spektakulären Unglück im Stockholmer Vorort Saltsjöbaden stellte die Staatsanwaltschaft am Freitag alle Ermittlungen gegen die 22-Jährige ein. Sie war bei dem Aufprall schwer verletzt worden.

Ankläger Pär Andersson attestierte stattdessen dem Bahnbetreiber Arriva und der Bahnaufsicht SL „mehrere ernste Sicherheitsmängel am Zug und auf der Bahnanlage“. Sie könnten die Ursache dafür sein, dass sich der Zug in Gang setzte und die katastrophalen Folgen auslöste.

Bei dem im Depot des Stockholmer Vororts Saltsjöbaden abgestellten Zug waren demzufolge weder die Bremsen angezogen noch die Weichen nach draußen korrekt gestellt, wie SL-Sprecherin Suss Forsman Tullberg bestätigte. Auch sei der Verkehrsleitstand für die Bahn nicht mehr besetzt gewesen.

Und dann steckte anscheinend auch noch der Startschlüssel, den die Putzfrau beim nächtlichen Reinemachen vermutlich aus Versehen betätigt hatte. Wie in einem Horrorfilm musste die 22-Jährige miterleben, dass der Zug immer schneller wurde, nach anderthalb Kilometern einen Prellblock durchbrach und sich ungebremst in ein mehrstöckiges Wohnhaus bohrte.

Die 22-Jährige war zwei Stunden im Führerstand eingeklemmt und musste per Hubschrauber ins Karolinska-Krankenhaus gebracht werden. Dass die neun Hausbewohner unverletzt blieben, bezeichnete die Polizei als ein Wunder.

Weil der private Bahnbetreiber Arriva sowie dessen Aufsichtsbehörde SL einen Diebstahl des Zuges als einzig denkbare Ursache nannten, verfügte die Polizei die Festnahme der nicht vernehmungsfähigen Putzfrau.

Arriva-Sprecher Tomas Hedenius sagte am Freitag: „Wir bedauern, dass wir nicht von Anfang an die Möglichkeit auch technischer Fehler und eines Irrtums als Unglücksursache genannt haben.“ Man biete der bei einem Subunternehmer angestellten Frau und ihrer Familie „jede erdenkliche praktische Hilfe“ an.

SL-Sprecherin Suss Forsman Tullberg sagte im Rundfunksender SR: „Ich kann gar nicht genug bedauern, dass ich das Wort Diebstahl in den Mund genommen habe.“ Der Gewerkschaftssprecher Johny Nadérus erklärte ebenfalls bei SR: „Arriva sollte sich was schämen.“

Staatsanwalt Andersson kündigte weitere Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen die Arbeitssicherheit an. Verantwortlich dafür seien Arriva und SL.

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