Berlin - Die Zahl der sexuell missbrauchten Kinder ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Polizeilichen Kriminalstatistik zu kindlichen Gewaltopfern hervorgeht, wurden 14.877 Missbrauchsopfer gezählt. 2012 waren es noch 15.149. Die Deutsche Kinderhilfe und das Bundeskriminalamt hoffen bei der Vermeidung der Straftaten auf die Hilfe aus der Bevölkerung.
Den Angaben zufolge waren im vergangenen Jahr auch deutlich weniger Kinder unter sechs Jahren betroffen. Während 2012 noch 1.957 Fälle verzeichnet wurden, ging die Zahl dieser Opfer 2013 auf 1.303 zurück. Die für die Deutsche Kinderhilfe ausgewertete Statistik beruft sich auf die Anzahl der Betroffenen bei den jeweiligen Fällen.
„Die sinkenden Fallzahlen sind keine Entwarnung“, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, bei der Vorstellung der Statistik. Die Polizei könne nur die zur Anzeige gebrachten und aufgedeckten Fälle zählen. Die Dunkelziffer sei deutlich höher. „Jeder einzelne Fall ist eine Tragödie.“
Höchste Priorität bekommt Ziercke zufolge die Aufklärung von Fällen im Bereich der Verbreitung und Beschaffung von kinderpornografischem Material. Mit rund 6700 Fällen verzeichneten die Kriminalbeamten einen Anstieg um etwa 16 Prozent. Bei rund einem Drittel der Fälle handelte es sich um besonders schwere Formen.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, forderte bessere und schnellere Unterstützung überforderter Familien. Zudem sprach er sich für einheitliche Fachstandards und eine Entlastung des Personals in der Kinder- und Jugendhilfe aus. „Gewalt gegen Kinder ist trauriger Alltag in Deutschland“, sagte Becker. Der Vorstandsvorsitzende appellierte in diesem Zusammenhang an Bund und Länder, mehr Geld für die Kommunen bereit zu stellen, um Maßnahmen zum Schutz der Kinder zu finanzieren.
Ähnlich äußerte sich Kathinka Beckmann, Professorin der Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Koblenz. Bundesweit würden nur 8000 Sozialarbeiter eingesetzt, um Kinder und Familien über die Jugendämter zu unterstützen. Während die Zahl der zu bearbeitenden Fälle im Laufe der Jahre angestiegen sei, gebe es beim Personal keinen Aufwärtstrend.
BKA-Präsident Ziercke und die Kinderhilfe sehen aber auch die Gesellschaft in der Verantwortung. „Es muss Anzeige erstattet werden. Wer wegsieht, macht sich mitschuldig“, betonte Ziercke. Auch der Vorstandsvorsitzende der Kinderhilfe, Becker, warnte, am „Irrglauben, was privat ist muss privat bleiben“, festzuhalten. „Jedes Zögern und jedes Wegsehen, kann ein weiteres Opfer bedeuten“, sagte Becker.
Laut Statistik wurden im vergangenen Jahr 153 Kinder unter 14 Jahren getötet (2012: 167 Kinder). In 72 Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch. Die unter Sechsjährigen gehören dabei zur größten Risikogruppe. In den meisten Fällen sind die Eltern, Angehörige oder Bekannte aus dem näheren sozialen Umfeld der Kinder die Täter.
