Nordwesten - Nicht erst seit dem Skandal um Till Lindemann, Frontsänger der Band „Rammstein“, ist sexuelle Belästigung bei Konzerten ein Thema. Immer wieder gibt es sexuelle Übergriffe auf Musikfestivals. Veranstalter und Organisationsteams arbeiten daran, die Sicherheit für alle Besucher und Besucherinnen zu verstärken. Dazu zählen neben Codewörtern auch sichere Areale. Denn immer wieder komme es auch auf andere Festen zu Situationen, in denen solche Sicherheitsmaßnahmen benötigt werden. So erst vor Kurzem auf dem Gildefest in Wildeshausen.
Doch was tun Betreiber konkret, damit Festivals in unserer Region für alle Besucher sicher sind?
Tabularaaza Festival rechnet mit 30.000 Besuchern
Mit bis zu 30.000 Gästen rechnet das Tabularaaza Festival (12.bis 13. August) in Oldenburg in diesem Jahr, das sind 10 000 Besucher mehr als zur Premiere im Jahr 2019. Damit die Sicherheit für alle auf dem Gelände gewährleistet werden kann, setzen die Veranstalter auf ein großes Team. „Auf dem Tabularaaza sind rund 2100 Menschen beschäftigt und der Großteil befasst sich mit der Besuchersicherheit“, erklärt Pressesprecher Thomas Weber. So sei es bereits im Jahr 2019 zu keinerlei Zwischenfällen gekommen. Dieses Ergebnis wolle das Organisationsteam halten. Damit sich alle Festivalbesucher sicher fühlen, werden sämtliche Parkplätze, Zuwegungen und Vorplätze durch das Technische Hilfswerk ausgeleuchtet. Das Festivalgelände selbst wird durch mehr als vier Kilometer Lichterkette beleuchtet. „Das Festivalgelände ist für 70 000 Besucher ausgelegt, wir bleiben dennoch bei unserer maximalen Besuchergrenze von 30.000 Besucherinnen und Besucher. So hat jeder Gast ausreichend Platz.“
Begleitservice zum Auto für Besucher
Auf Nachfrage biete das Team außerdem einen Begleitservice bis zum Auto an, wenn Personen allein unterwegs seien. Dieser könne bei Sicherheitskräften bei Ein- und Ausgang erfragt werden. Das Personal sei für den Umgang mit sexueller Belästigung besonders geschult. Das Tabularaaza arbeite, wie viele andere große Festivals auch, mit dem Sicherheitskonzept „Wo gehts nach Panama?“. Mit dieser Frage oder nur dem Wort „Panama“ soll jeder, der sich in einer Notsituation befindet, unkompliziert um Hilfe bitten können. Dabei sei es egal, ob jemand sich unwohl fühle oder belästigt wird.
Das Tabularazaa Festival in Hatten bei Oldenburg erwartet in diesem Jahr bis zu 30.000 Besucher.
Deichbrand setzt auf Panama-Konzept
Das Deichbrand-Festival in Cuxhaven (20. bis 23. Juli) arbeitet ebenfalls mit dem Sicherheitskonzept „Wo gehts nach Panama“. Hinter dem Konzept steckt der Veranstalter FKP Scorpio, der die großen Festivals wie Southside, Highfield Festival, Hurricane und auch Deichbrand organisiert. Auf dem Deichbrand-Festival in Cuxhaven ist das Team besonders geschult, wie eine Sprecherin erklärt. Ein Panama-Team kümmere sich um die betroffene Personen. Erkennbar sei das Team Panama auch durch Aufkleber oder Bändchen mit dem Codewort. Barpersonal, Sanitäter, Ordnungsdienst und Polizei seien ebenfalls mit dem Wort vertraut.
Positives Feedback nach Festival in Scheeßel
Für die Veranstalter des Hurricane-Festivals hat sich das Konzept auch in diesem Jahr bewährt. So habe das Organisationsteam sehr viel positives Feedback auf das Konzept erhalten, berichtet Katja Wittenstein von FKP Scorpio. Zahlen könne man allerdings nicht nennen, da das Konzept auf Anonymität basiere. Alle bekannten Fälle seien gelöst worden. Polizei und Sanitätsdienst bestätigten außerdem den Eindruck von einem sehr friedlichen Festival, so Wittenstein.
In einer schwierigen Situation kann die Frage „Wo gehts nach Panama“ auf dem Fesitval-Gelände helfen. Das Codewort „Panama“ dient allen, die Hilfe benötigen.
Beratungsstelle rät zur schnellen Anzeige
Susanne Kranhold ist Beraterin bei der Beratungsstelle Schlüsselblume, die sich um Kinder und jugendliche Erwachsene kümmert, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Sie rät Festivalbesuchern vorwiegend in der Gruppe unterwegs zu sein und außerdem seine Getränke vor möglichen K.O. Tropfen zu schützen, in dem man diese im Blick behalte. Doch die Gefahr gehe nicht nur von Tropfen aus. „Mittlerweile gibt es auch K.O.-Spritzen, deren Einstich kaum bemerkt wird. Daher sollten Besucher und Besucherinnen am besten nicht allein bleiben.“ Wenn doch etwas passiert ist, rät die psychosoziale Beraterin unbedingt dazu, Anzeige zu erstatten und sich gerichtsmedizinisch untersuchen zu lassen. Denn K.O. Tropfen und andere Spuren können nur zeitnah festgestellt und gesichert werden.
