Berlin - Nach einem dreitägigen Verhandlungsmarathon wollten rund 100 Flüchtlinge die besetzte Berliner Thomaskirche freiwillig räumen. Pfarrerin Claudia Mieth sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntagabend, viele seien bereits auf dem Weg zu anderen Unterkünften. Sie gehe davon aus, dass die Aktion noch in der Nacht abgeschlossen werden könne. „Wir hatten sehr viele wohlwollende und kompetente Unterstützer. Ohne sie wäre dieser Kompromiss wohl nicht möglich gewesen“, so die Pfarrerin.
Die Kirche hatte ein Ende der Besetzung gefordert, die zwangsweise Räumung aber abgelehnt. Mehrere Flüchtlinge fanden den Angaben zufolge eigene Unterkunftsmöglichkeiten. Für die verbliebenen 61 bot die Kirche Schlafplätze in sechs verschiedenen kirchlichen Einrichtungen an. An den Verhandlungen nahm auch Superintendent Bertold Höcker teil.
Am Mittwoch (17. September, 19.00 Uhr) wollen die Flüchtlinge laut Mieth in der Heilig-Kreuz-Kirche erneut auf ihre Situation aufmerksam machen. Der Flüchtlingsexperte der Piraten im Abgeordnetenhaus, Fabio Reinhardt, appellierte an die verantwortlichen Mitglieder des Senats, sich der Debatte persönlich zu stellen.
Etwa 100 Besetzer hatten sich am Donnerstagabend in der Thomaskirche niedergelassen. Dabei war es zu Schäden etwa an den Türen gekommen. Diese seien von Unterstützern inzwischen wieder repariert, so die Pfarrerin. Am Sonntagmorgen wurde in der Kirche ganz regulär der Gottesdienst gefeiert, es gab sogar eine Taufe.
Einige der Flüchtlinge hatten bereits auf dem Oranienplatz in Kreuzberg campiert. Das Zeltlager war im April abgebaut und die Bewohner auf andere Unterkünfte verteilt worden.
