• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama

Kalender zum Fest besonders gefragt

21.11.2017

Frankfurt /Main Bienen und Bäume, Fahrradplakate und Fenster, Lebensfreude und Landleben: Der Kalendermarkt ist riesengroß und bunt. „Mir würde nichts einfallen, was man noch nicht gesehen hätte“, sagt Marion Schmidt vom DuMont Kalenderverlag. „Gerade die großen Verlage preschen mit immer mehr Titeln vor“, sagt der Verleger von ars vivendi, Norbert Treuheit, aus Mittelfranken. Der Kalendermarkt wächst – gegen den Trend im leicht rückläufigen Buchmarkt.

Sternennächte und Schweine, Traktoren und Taschenkalender: In den ersten neun Monaten 2017 stieg der Umsatz mit Kalendern um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie es beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels heißt. Das Hauptgeschäft beginnt aber erst. „Die Hälfte des Jahresumsatzes mit Kalendern wird im November und Dezember gemacht“, sagt Cathrin Mund vom Börsenverein.

Anette Philippen, Geschäftsführerin des DuMont Kalenderverlags und Sprecherin der rund 35 im Börsenverein organisierten Kalenderverlage, hält es daher für wahrscheinlich, dass die Warengruppe im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft „noch einmal einstellig wachsen kann“. Der Anteil der Kalender am Gesamtumsatz der Buchbranche liege seit einigen Jahren bei schätzungsweise fünf Prozent – Tendenz leicht steigend.

Emotional und spontan

„Kalender sind nach wie vor ein haptisches Produkt und ein Produkt, das gesehen werden muss“, sagt Philippen. Der Kauf sei oft emotional und spontan. Die Produktgruppe ziehe sogar gegen den Trend zum Online-Handel Kunden in die Geschäfte. Viele Händler entdeckten die „sehr werthaltige Umsatzwarengruppe“ jetzt neu für sich oder räumten den Kalendern mehr Verkaufsfläche ein.

„Berühmte Paare“, „Trump-an-die-Wand“, „Magic Trees“ und „Gourmet Phantasie“ heißen einige der Kalender für das neue Jahr. Fast 7200 Titel kamen 2016 auf den Markt, stellt das „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ fest. Das waren zwar 60 weniger als 2015, aber deutlich mehr als in allen Jahren von 2011 bis 2014.

Trotz Smartphones und Digitalisierung sterben Kalender nicht aus – auch bei jungen Menschen nicht. Das liege vor allem am „Faktor Wandschmuck“, sagt Philippen. Dieser spreche auch junge Leute an, wenn es um Trendthemen etwa aus dem Lifestyle gehe. Wer sich gefragte hochwertige Fotokunst, Wandbilder und Kunstdrucke nicht leisten könne oder wolle, kaufe oft einen vergleichsweise preiswerten Kalender mit zwölf Motiven der angesagten Künstler.

Neue Achtsamkeit

Sprüchekalender – typographisch gestaltet und Handlettering-Motive seien bei jungen Menschen ebenfalls sehr beliebt. Das sind oft auf Kreidetafeln gemalte und verschnörkelte von Blumen oder Girlanden eingerahmte Buchstaben.

Wellen und Wölfe, Speisen und Segelboote: Der durchschnittliche Preis für einen Kalender lag laut „Börsenblatt“ 2016 bei 13,79 Euro, etwas weniger als in den Vorjahren. „Grund für den vermeintlichen Preisrückgang ist ein steigender Anteil an Pocket-Kalendern auf dem Markt“, stellt das Fachblatt fest. „Immer mehr Verlage erweitern ihr Portfolio und konkurrieren mit den etablierten Playern.“

„Glücksjoga“, „Achtsam leben“, „Einfach ICH!“, „Lebe gut“: In den Kalendern finde sich auch ein „Gegentrend zur Digitalisierung und der schnellen Zeit, die wir haben“, sagt Philippen. „Meditation und das Zen früherer Jahrgänge kehrt in diesem Jahr mit dem Wort Achtsamkeit ganz extrem zurück.“ Neben der Wiederentdeckung der Langsamkeit hat sie auch einen Trend zum „Schreiben und Festhalten“ ausgemacht. Planer, Buch- und Taschenkalender gingen gut, genauso wie die Klassiker Küche, Literatur, Kunst und Natur.

Der ars vivendi Verlag in Mittelfranken verkauft seine Café-Bar-Kalender auch noch immer sehr gut, wie Verleger Treuheit sagt. Daneben seien die literarische Kalender besonders gefragt – ob in Verbindungen mit Hunden, Katzen oder Bier. Am beliebtesten sei ein Krimi-Adventskalender in der Blechdose: „Apfel, Zimt und Todeshauch“.

Allerdings gebe es bei Kalendern auch Grenzen, bedauert Philippen. „Manche Themen funktionieren doch nur im Buch.“